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Gefühlt reich – und das auf Kosten Anderer

20 Mrz

Wie wäre wohl die Gefühlslage in Deutschland, wenn es ALDI, LIDL und Kik nicht mehr gäbe? Was würde unser Leben kosten, wenn wir für die Dinge unseres täglichen Gebrauchs einen fairen, angemessenen Preis zahlen müssten?

Die Menschen in Deutschland sind satt, auch die relativ armen.

Und sie können es sich schmecken lassen! Denn ALDI bietet neben Grundnahrungsmitteln auch Leckereien wie Königsgarnelen, Focaccia, Mangosaft und Sushi. Schicke Kleidung erhält man zum Minipreis bei Kik und H&M. Das Leben an der nährenden, wärmenden Brust der Discounter muß nicht enthaltsam sein. Im Gegenteil, diese Art des Lebens lässt sich sehr gut aushalten!

In Deutschland zahlen wir im Vergleich zu den meisten anderen Ländern Spottpreise für die vielen Dinge, die wir zum Leben brauchen. Warum eigentlich?

Ein Grund ist, dass wir eine sehr effiziente Lebensmittelproduktion in Deutschland aufgebaut haben. Teilweise aufgrund der Fertigkeiten unserer weltberühmten Maschinenbauer, doch vor allem wegen einer gewissen Skrupellosigkeit: gegenüber unseren Mitmenschen in anderen Ländern und dem lieben Vieh. Es gilt für Lebensmittel und Kleidung gleichermaßen: Das Leid der Anderen interessiert uns nicht.

Die Menschen in Deutschland sind satt, auch die relativ armen.

Und, ob es, wie es ist, gut und gerechtfertigt ist, interessiert uns nicht. Wir fühlen uns haltsuchend machtlos, denn etwas daran zu ändern würde massiven Verzicht bedeuten. Ich mache da selbst auch keine bedeutende Ausnahme, um das klar zu stellen. Dabei wäre es doch interessant und wichtig zu erfahren, was unser Leben kosten würde, wenn wir in die Kostenrechnung für Lebensmittel und Kleidung all die versteckten Kosten der billigen Lohnarbeit, der Umweltschäden, des Leids miteinbeziehen würden. Sehr wahrscheinlich würden wir am Ende auf vieles verzichten müssen.

Die Menschen in Deutschland sind satt, auch die relativ armen.

Deshalb sind die Menschen politisch wenig engagiert und gehen selbst dann nicht auf die Strasse, wenn ihnen in der Politik etwas gegen den Strich geht. Wie praktisch für die Politik! Wer weiß, vielleicht werden die Discounter sogar subventioniert? Und wieso wird eigentlich gegen illegale Downloads gewettert?! Ist es denn politisch nicht erwünscht, dass sich Hartz IV Familien abends vor dem Fernseher für lau ihren Frust von der Seele gucken können?

Mal ehrlich, man denke sich mal, was es bedeuten würde, wenn illegale Downloads von der Industrie wirksam unterbunden werden könnten. Oder wenn die Lebensmittelpreise denen in anderen Ländern angeglichen würden. Dann stünden wohlmöglich rauhe Zeiten für unser Land an, in denen die Bürger stinksauer aufbegehren und die Strassen mit Protest überziehen würden. Denkbar ist es.

Aber, ich habe etwas ganz vergessen. Bis dahin würde es so oder so noch eine Weile dauern und vielleicht kämen demographische Probleme, wie unsere maroden Rentensysteme, dem ja zuvor. Ach ja, und es kann gut sein, dass bis zu diesem Zeitpunkt die Überwachung der Bürger schon so weit ausgebaut werden konnte, dass ein massiver Protest schon im Keim erstickt werden kann. Dann hätte die Überwachung des Internets ja am Ende auch etwas gutes, nicht wahr!

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6 Kommentare

Verfasst von - März 20, 2012 in Gesellschaft, Tiny's Gedanken, Top Artikel

 

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6 Antworten zu “Gefühlt reich – und das auf Kosten Anderer

  1. Mascha

    März 21, 2012 at 6:22 am

    Sehr guter Beitrag!!!

     
  2. marien86

    März 21, 2012 at 4:26 pm

    Hallo Tinyentropy,

    du hast mit vielem recht, was du schreibst. Natürlich, die Masse ist nicht so engagiert wie sie sein sollte. Aber auch wir Blogger sind Teil dieser Masse. Es ist wohlfeil in unseren Blogs Polemiken zu schreiben.

    Meine beiden Großväter haben als SED-Parteifunktionäre versucht „das System“ zu ändern. Am Ende stand für den Einen das Ende der beruflichen Karriere, der Andere hat sich ins Private zurückgezogen. Die Bürgerrechtler und „Öko-Bewgten“ waren in der DDR eine verschwindende Minderheit.

    Die Acta-Demos und die „Öko-Bewgten“ unserer Tage sind eine bedeutende Minderheit. Auch wenn Mehrheiten nötig sind um die Gesellschaft zu ändern, es bewegt sich was! Man kann die Geschwindigkeit der Bewegung hinterfragen, sie kritisieren, was aber die angemessene Geschwindigkeit der Veränderung ist hast du nicht geschrieben.

    Ohne die negativen Seiten der Gesellschaft, leugnen oder relativieren zu wollen: es gibt immer gute Gründe, das Glas halb leer zu sehen, wenn es so sehen will.

    Die Marxisten erzählen uns schon seit 150 Jahren, das die großen Proteste, das große Aufbegehren kommen muss. Sinngemäß hat Marx deine Argumente schon genannt. Du reihst dich gekonnt in die Reihe derer ein, die die politische und soziale Verelendung der Masse prophezeien. Ja, diese Verelendung gibt es, aber nicht hier in Europa.

    Wir werden es uns in Zukunft nicht mehr leisten können auf Millionen potentieller afrikanischer Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler zu verzichten. Wir werden eine effizientere globale Wirtschaft bekommen, durch die Staaten der ehem. 3. Welt ein politisches Mitspracherecht erwirken.

    Ja, dies ist eine gewagte Prognose. Aber ich sehe Anhaltspunkte für deren Eintreffen. Chinesen und Inder werden ihren Sozialstaat ausbauen müssen, alleine schon um Leute länger in Arbeit halten zu können. Heute ist es für Chinesen und Inder billig Menschen zu verschleißen, weil Erdöl u. a. Rohstoffe billig sind. Werden sie teurer, lohnt sich der Menschenverschleiß nicht mehr, er macht die entstandenen Mehrkosten nicht mehr wett.

    Die gefühlte Reichheit auf Kosten Anderer wird ein Ende finden, weil sie ökonomisch nicht mehr haltbar sein wird. Innenpolitische Konflikte, die auf das Ausland ausweiten könnten, wird man schon deshalb verhindern, weil durch die Existenz der Atombombe solche Konflikte unkontrollierbar werden. Damit werden die möglichen Kosten unkalkulierbar.

    Die Existenz der Piratenpartei zeigt, dass man ein öffentlich finanziertes Testlabor für neue Beteiligungsformen zulässt. Wie weit diese Formen zur Deeskalation gesellschaftlicher Konflikte beitragen können wissen noch nicht.

    Die Welt von Morgen wird kein besserer Ort sein, weil die Kategorien „besser“ und „schlechter“ subjektiv sind. Wohl aber wird es eine andere Welt geben, in der die soziale Ungleichheit noch sehr hoch sein wird, aber immer noch niedriger als heute. Es wird weiterhin Konflikte geben, sie werden aber mit weniger Blut vergossen. Vielleicht ist „Cyberwar“ hier wirklich eine Alternative. Wir werden weiterhin sehr stark unseren Planeten verändern, wir werden aber auch achtsamer mit ihnen umgehen, weil ihre Auswirkungen direkter betreffen.

    Es wird ein Gewitter aufziehen, es lohnt sich aber auf die Sonnenstrahlen zu warten, die durch die Gewitterwolke durchbrechen. 🙂

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      März 21, 2012 at 7:59 pm

      Hallo Marien,

      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar! 🙂 Es ist wahr, man kann das Glas so oder so sehen. In diesem Blog versuche ich aber immer mal wieder beide Sichtweisen einzunehmen.
      Ich gebe Dir recht, dass sich unsere Gesellschaft in einer Entwicklung befindet und mehr Menschen auf solche Zusammenhänge achten. Daher sehe ich nicht schwarz, sondern bleibe optimistisch. Aber es ist trotzdem nicht schlecht, immer wieder mal solche Dinge ins Bewusstsein zu bringen, denn noch muß sich vieles ändern. Ich bin mir nicht sicher, wohin am Ende die Reise gehen wird. Einige Probleme unserer Zeit erscheinen mir massiv und einer großen Menge von Leuten ist das alles egal. Daher gibt es noch keinen Grund mit dem Mahnen aufzuhören. Den gibt es eigentlich nie, denn selbst in guten Zeiten muß man sich erinnern, dass man für den Erhalt der guten Dinge ständig weiterkämpfen muss.
      Viele Grüsse!

       
  3. marien86

    März 30, 2012 at 3:10 pm

    Hallo Tinyentropy,

    pardon, dass ich erst so spät antworte, Entschläunigung tut gut. 🙂 Übrigens, ich heiße David, wenn du mich mit Vornamen ansprechen möchtest, so viel Korinthenzählerei muss erlaubt sein. 🙂

    Ich gebe dir mit dem ständigen Mahnen völlig recht, es ist notwendig, ich tue es auch. Bei einigen Artikeln im Internet habe ich den Eindruck, Autoren wollen möglichst viel Empörung und Emotionalisierung, aus guten Gründen, erreichen. Allerdings, das Gift macht die Dosis. Wer es übertreibt, erreicht das Gegenteil.

    Man wird immer einen kleinen aktiven Teil der Gesellschaft ansprechen, oder glaubst du, dass du die eigentliche Zielgruppe für deine Artikel erreichst. Das wir es trotzdem tun, zeigt doch dass es um Qualität und nicht um Quantität geht. Zu dieser Qualität gehört auch der richtige Ton. Diesen Ton zu treffen ist schwer genug, er ist aber genauso hilfreich wie der Inhalt an sich. Deswegen ist Rhetorik auch so wichtig.

    Dem gesättigten seine Sättigung vorzuwerfen bringt uns genauso wenig weiter, wie dem Armen seine Armut vorzuwerfen. Es geht um Umverteilen und nicht um wegnehmen. Es geht ums helfen und ermächtigen und nicht ums sühnen und Almosen geben. Kleine Wortwahl, große Wirkung.

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      März 30, 2012 at 4:53 pm

      Ich will es mir zur Herzen nehmen. Man muss wirklich aufpassen nicht zu sehr zu emotionalisieren. Stimmt.
      In diesem Artikel ging es mir nicht nur um Polemik. Ich wollte die Frage aufwerfen, inwiefern die günstigen Lebens- und Genussmittelpreise in Deutschland für das stabile und ruhie gesellschaftliche Klima verantwortlich sind. Bzw., was wäre, wenn es plötzlich ALDI, LIDL & Co nicht mehr gäbe, oder sie die Preise drastisch anziehen? Denn denkbar wäre es, weil diese Dinge in anderen europäischen Ländern bereits jetzt schon viel teurer sind!
      Der andere Punkt ist, dass die Dinge nach objektiven Massstäben (Kosten der Produktion und Nachhaltigkeit) unter Wert verkauft werden. Insofern kann man mein Szenario nicht einfach als unrealistisch abtun, denke ich.

      Gruss

       
  4. marien86

    März 30, 2012 at 6:08 pm

    Ich will dein Szenario auch gar nicht als unrealistisch abtun. Es ist alles mögliche denkbar, wie die jüngere Vergangenheit zeigt.

    Wir reagieren sicher emotionalisiert, weil wir mit 1000 teilweise erschütternden Infos und Gedanken konfrontiert werden. In der Gegenwart wird alles verstärkt: die soziale Ungleichheit, die Entwertung des Individuums, die Halbwertszeit von Information.
    Wir reagieren emotionalisiert, weil unsere Elterngeneration mit ihrer besseren Welt gescheitert ist. Wir reagieren emotionalisiert, weil der Mensch weil wir scheitern, seit Jahrtausenden. Das Schlechte und das Gute verstärken sich, weil das menschliche Handeln immer wirkungsvoller wird.

    Menschen zum Nachdenken anregen ist gut und sinnvoll, das tue ich auch. Ich verzweifle aber auch nicht wenn, zynisch gesprochen, die Welt untergeht. Es gibt halt leider nicht den „Masterplan“ den roten Knopf, wo man draufdrückt und dann alles gut wird. Wer kämpft der kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren. Der Spruch sagt schon, dass wir handeln müssen, das unser Handeln aber auch schaden kann. Wir wissen es eben nicht im Voraus.
    Wenn du Interesse hast kannst du ja meinen Artikel dazu lesen:

    http://dmhdf.wordpress.com/2012/03/30/alles-neu-alles-anders-alles-vergessen/

    Das Handeln braucht aber immer auch gewisse Regeln um es – mehr oder minder – schlagkräftig zu machen.

    Da will man sich manchmal einfach nur aus-kotzen, einfach nur mal ranten. Wenn wir gar nichts sagen ändert sich eh nix, wenn wir was sagen, wird es falsch interpretiert. Dass ist ein typisch menschliches Dilemma.

    Manchmal ist eben doch von Vorteil nur Hornochse zu sein. Weniger (denken können) ist manchmal mehr (Lebensqualität) 🙂

    Gruß, David Marien

     

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