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Im Abgang Leben retten

24 Mrz

Ein heikles Thema – die Organspende. Bis man dringend auf ein fremdes Organ angewiesen ist, möchte man sich mit dem Thema lieber nicht beschäftigen. Das geht mir auch so. Irgendwie fühlt man sich instinktiv bedroht, wenn es um die Entnahme der eigenen Organe geht. Da vergisst man schnell, dass man zum Zeitpunkt der Entnahme tot wäre und sich keinen Kopf mehr machen müsste.

Also gut, vorausgesetzt, dass mein Tod zweifelsfrei festgestellt werden konnte (und man sich vorher alle Mühe gegeben hatte, mein Leben zu erhalten), würde aus meiner Sicht nichts dagegen sprechen, dass man meine Organe einem anderen Menschen gibt, der sie dringend braucht. Streng genommen könnte ich ohnehin nicht mehr über sie verfügen – weder funktional noch könnte ich verhindern, dass sie vermodern. Es ist doch ein schöner Gedanke, dass ein Teil von mir weiterlebt und damit anderen Menschen das Leben rettet.

Es hängt also im wesentlichen an zwei Punkten:

1.) Die Würde des Sterbens und

2.) Das korrekte Feststellen des Todes.

Zu Punkt 1.) folgendes. Viele Menschen befürchten, dass Ärzte vielleicht dazu neigen könnten, sie schneller sterben zu lassen, wenn sie als Organspender registriert sind. Zum Beispiel, wenn bekannt ist, dass man ein dringend gebrauchtes Organ im Körper trägt. Aber ist das realistisch?

Mir scheint es stattdessen so zu sein, dass in vielen Fällen die Menschen in den Kliniken zu lange medizinisch behandelt werden. Damit meine ich, dass ein würdiges Sterben durch unnötige, lebensverlängernde Massnahmen behindert wird. Zumindest habe ich mit Menschen gesprochen, deren Angehörige längst mit dem Leben abgeschlossen hatten und deren Leben dennoch künstllich verlängert wurde. Wenn dem in vielen Fällen so ist, glaube ich nicht, dass man Angst davor haben sollte, dass man zu schnell sterben gelassen werden könnte.

Ein anderer Punkt wäre ein möglicher finanzieller Anreiz für Ärzte, in dem behandelten Patienten nur noch das benötigte Organ zu sehen. Es ist bekannt, dass im Organhandel horrende Summen für Organe gezahlt werden. Aber ich habe so viel Vertrauen in unser System, dass ich diese Gefahr nicht erkenne. Ich kenne mich mit der Verteilung und Auslosung von Organspenden nicht aus, aber ich bin mir sicher, dass dies ausreichend überwacht wird. Zumal ein Mensch von mehr als einem Arzt für tot erklärt werden muss.

Momentan warten ca. 12.500 Menschen auf eine Organspende, plus eine unbekannte Dunkelziffer von Menschen, die wegen geringer Chancen gar nicht auf die Organspendeliste eingetragen wurden. Für jeden einzelnen Betroffenen ist dies ein schreckliches Schicksal, denn sie müssen mit ungewisser Hoffnung teils Jahrzehnte warten.

Die Gesamtanzahl von 12.500 Wartenden ist nicht hoch, wenn man eine Bevölkerungszahl von 80.000.000 Menschen in Deutschland zugrundelegt. Es besteht hierzulande also ein enormes Potential, dass die benötigte Anzahl von Organspenden geleistet werden könnte. Würden mehr Menschen spenden, glaube ich, könnte der Schwarzmarkt ausgehebelt werden und die Menschen müssten keine Angst vor Missbrauch des Systems haben. Ich bin der Meinung, dass dieses Problem hier vor Ort, durch Solidarität der Menschen unserer Gesellschaft gelöst werden sollte. Denn Organspenden aus dem Ausland können viel weniger kontrolliert werden. Diese stammen teils von Lebendspendern, die es nicht immer freiwillig zulassen.

Es bleibt Punkt 2), die Feststellung des Todes. Medizinisch wird der Gehirntod festgestellt und es gilt als sicher, dass von diesem Punkt aus eine Rückkehr ins Leben ausgeschlossen ist. Ich bin kein Mediziner und möchte in diesem Punkt nicht spekulieren oder Halbwahrheiten verbreiten. Ich denke, dass diese Definition tauglich ist und man keine Angst haben muss, dass man fälschlich für tot gehalten werden könnte. Es gibt ein wohldefiniertes Protokoll von medizinischen Untersuchungen, das genau befolgt werden muss, um den Tod festzustellen. Der einzige Punkt, den ich skeptisch sehe, ist die Dringlichkeit. In der Natur der Sache liegt begründet, dass der Tod innerhalb eines bestimmten Zeitfensters festgestellt werden muss. Denn die Organe dürfen keinen Schaden nehmen. Auch die Würde des Sterbens kann darunter leiden. Denn um die Organe am Leben zu erhalten, ist mehr technischer und medizinischer Aufwand notwendig, als wenn der Mensch einfach verstirbt. Dies kann besonders für die Angehörigen belastend sein.

Das seltsame ist, trotz all dieses Wissens, bleibt es mir mulmig bei der Vorstellung. Noch habe ich keinen Organspendeausweis, aber ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich wäre aber dafür, dass wir in Deutschland ein System wie in Österreich einrichten würden. Dort ist es so, dass man sich aktiv als Nicht-Organspender registrieren lassen muss, was sicher keinen grossen Aufwand darstellt. Der Vorteil ist, dass die Menschen sich mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Für Deutschland ist geplant, dass die Menschen von den Krankenkassen angeschrieben werden, sich aber nicht zurückmelden müssen. Wie gesagt, ich denke, dass dem System viele Schrecken genommen werden könnten, wenn mehr Menschen als Organspender registriert wären. Das würde den Schwarzmarkt stoppen und die damit verbundenen Ängste.

Am Ende muss man sich immer klarmachen, dass man mit seiner Organspende Leben retten kann. Und worin läge der Sinn, wenn die Organe am Ende in der Erde verrotten oder verbrannt in die Luft gestreut werden. Es ist ein wichtiges Thema, über das es sich nachzudenken lohnt.

 

 

 

 

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Eine Antwort zu “Im Abgang Leben retten

  1. Mechentel

    März 31, 2012 at 5:23 am

    …Die Frage wann genau der Tod wirklich eintrifft und ob wenn man so zu sagen Gehirntot ist, auch nich mehr wieder kommen kann, ist nicht so einfach zu beantworten. In diesem Sinne stellt sich die Frage der Organentnahme und die Frage ob man überhaupt etwas spührt, wenn bei Hintod ein Organ entnommen wird…
    Hierzu könnte folgendes Buch interessante Antworten geben
    „Unendliches Bewusstsein“ von dem Kardiologen Pim van Lommel.

     

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