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Eiskaltes Lächeln

07 Jul

Disclaimer: Achtung, dieser Beitrag kann empfindliche Gemüter verstören. Weiterlesen nur auf eigene Gefahr.

Heute wird es bizarr. Stellt Euch bitte folgende Situation vor:

Ihr seid kürzlich verstorben. Sagen wir, es war letzte Nacht.

So richtig Abschied nehmen konnten wir nicht. Das ist aber nicht weiter von Interesse, da wir uns erst seit einer verhältnismäßig kurzen Zeit kannten. Trotzdem bedaure ich Euer Schicksal von Herzen, denn dies wünscht man niemandem und wir konnten uns zumindest ein paar Wochen lang kennenlernen.

Da wir uns gegenseitig schätzten, hoffe ich, dass Ihr mir den Fauxpas verzeiht. Von wo immer aus Ihr jetzt sein möget.

Es geschieht auf dem Weg durch die Krankenhausflure. Von all dem bekommt Ihr nichts mit; dies ist Euren Sinnen unmöglich geworden.

Während Ihr ruhig und reglos daliegt, rollen meine Kollegin und ich das Bett durch die Gänge. Es geht zu einem Ort, wo kein Mensch hin will; aber am Ende bleibt uns keine Wahl. Bis zu Eurer Beerdigung müsst Ihr leider in den Kühlschrank. Nun ja. Gemeint ist die Prosektur, die Leichenkammer.

Keiner von uns, ob bei Bewusstsein oder nicht, ist diesen schweren Weg gerne angetreten. Die Stimmung ist würdevoll und gedrückt. Es ist eine rundum traurige und unangenehme Situation. Es liegt eine Last auf unseren Schultern, als wir das Bett weiter voran schieben.

Und dann passiert es. Beim Einstieg in den Lift passiert eine kleine Unachtsamkeit und das Bett eckt am Türrahmen an. Dabei gibt es einen lauten Knall. Und ….

Wir grinsen! Nein, wir lachen!

Ein lautes Gelächter im Halbdunkel der spärrlich beleuchteten, kargen Gänge. Wir müssen einfach lachen! Das ist der Punkt.

Eine tiefe, angestaute Spannung bricht sich in diesem Moment Bahn. Ein völlig überraschendes Gefühl von Befreiung herrscht über uns für ein paar Sekunden, bis wir uns schuldbewusst ansehen und blitzschnell wieder toternst werden.

Diese Schilderung lehnt sich einem Ereignis meiner Zivi-Zeit im Krankenhaus an. Im Gespräch mit einem Kumpel fiel es mir heute wieder ein.

Die Geschichte ist auch ein Abbild des Lebens. Hochs und Tiefs, Trauer und Freude, alles gehört dazu. In wirrer, chaotischer Abfolge. Und meist trifft es uns im gefühlt falschen Moment.

Veröffentlicht mit Smartphone – Fehler können passieren

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Verfasst von - Juli 7, 2015 in Verschiedenes

 

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