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Das Echo, dem die Luft knapp wird

31 Mai

Die letzten Wochen über habe ich gespürt, dass meine aktuellen Gedanken im Kopfe verbleibend besser aufgehoben sind, als in einen Blog niedergeschrieben.

Man könnte meinen, das sei der Fall, wenn Gedanken noch nicht zu Ende gedacht sind. Aber das ist es nicht. Denn ich empfinde das Schreiben selbst als einen Akt des Abwägens zwischen Für und Wider. Viele meiner Artikel beginnen mit einem zunächst noch diffusen Kerngedanken, der erst im Verlauf des Schreibens Gestalt und Haltung annimmt.

Der Punkt ist, dass man mit einem Blog in der Öffentlichkeit steht. Der Anstoß für einen interessanten Artikel entpuppt sich in der Regel als eine Art Sendungsbewusstsein. Getreu dem Motto meines Blogs, Gedanken werden erst groß, wenn man sie teilt.

Die Idee ist nett. Sie funktioniert bestens auf YouTube und Facebook. Aber nur noch für Dinge der Freizeitgestaltung. Politische Ideen und Diskussion fallen einfach nirgends auf fruchtbaren Boden. Anders gesagt: während Fashionblogs boomen wie Sau, kann man sich das Schreiben zu substanzielleren Themen eigentlich sparen.

Wenn schon skandalöse Zustände von dem Ausmaß der Enthüllungen Edward Snowdens keinen gesellschaftlichen Wandel in Gang setzen können, wozu dann noch jegliche Liebesmüh. Dann kann man sich seinen Senf besser sparen.

Ich bin zuversichtlich, dass es auch wieder andere Zeiten geben wird. Aber bis dahin verwende ich vielleicht meine Zeit auch am besten darauf, mich in Modeblogs um zu tun. Davon profitiert wenigstens meine äußere Erscheinung und ich nerve niemanden. Neues Motto: Die Perlen an die Kette, nicht vor die Säue.

Dazu passend: Warum die Welt meinen Blog nicht braucht

Veröffentlicht mit Smartphone – Fehler können passieren

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5 Kommentare

Verfasst von - Mai 31, 2015 in Über diesen Blog

 

5 Antworten zu “Das Echo, dem die Luft knapp wird

  1. Redaktion

    Mai 31, 2015 at 4:32 pm

    Och schade, ich habe dein politisches Engagement gerade auch in Sachen VDS immer sehr zu schätzen gewußt. Mit deiner Abwanderung in die Modebranche verlieren wir einen unserer fähigsten Mitstreiter.

    Mike Zimmermann
    chronicle.de

     
  2. balorca

    Mai 31, 2015 at 5:50 pm

    Du hast ja recht, aber denkst Du ernsthaft, dass Dir „die Perlen an die Kette“ reicht? 🙂

     
    • tinyentropy

      Juni 1, 2015 at 3:18 pm

      Nein. Natürlich nicht 😉 Das ist nur eine Phase.

       
  3. Marille Gruenblatt

    Mai 31, 2015 at 9:02 pm

    Ich denke nicht, dass man sich das Schreiben sparen kann. Oft wird gelesen und darüber nachgedacht, obwohl Kommentare und eigener Senf fehlen. Und jemandem zum Denken zu bewegen ist 50x besser, als ein Kommentar im Stile von „chicer Hosenanzug!“

     
  4. dasmanuel

    Juni 1, 2015 at 2:35 pm

    Ich denke, du HAST Recht … tatsächlich. Du hast dir ja auch schon einmal Gedanken gemacht, ob bloggen ‚es wert ist‘ …

    Meine Meinung dazu hat sich nicht geändert – kommt es auf Resonanz an, auf Kritik und Diskussion … heißt man besser Lady GaGa und macht Exkremente-Selfies. Bringt mehr, als sich über Pegida, Flüchtlinge et al auszulassen.

    Dann die Energie lieber für die Straße verwenden; mal wieder auf eine Demo gehen, vielleicht auch ein oder zwei Steine werfen (aber bitte nur Kiesel, wir wollen niemanden ernstlich verletzen).

    Ein Blog ist immer so ein Ego-Ding. Und auch, wenn man die Meinung vertritt, dass Resonanz nicht wichtig ist … hätte man sie doch gerne. Und wenn das der maßgebliche Antrieb ist … siehe oben.

    Liebe Grüße

    PS: Gerecht ist das alles soundso nicht. Mir steigen immer wieder die Tränen in die Augen, wenn ich sehe, wie (nichtvorhandener) Aufwand X mit unverhältnismäßig hoher Resonanz Y bedacht wird.

    PPS: Nackte Tatsachen helfen. Aber nur, wenn sie von ‚Frauen‘ gepostet werden. 😉

     

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