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Tsipras gegen Merkel

02 Feb

Nun, ich möchte es nicht gerade den Kampf der Giganten nennen. Treffender ist, das Duell Tsipras vs. Merkel als einen Kampf zwischen Populismus und Opportunismus zu beschreiben.

Ich finde es löblich, dass Herr Tsipras seine Wahlversprechen direkt umsetzt. Aber abgerechnet wird zum Schluss. Solange in Griechenland nicht endlich die Reichen zur Kasse gebeten werden, ist noch nicht viel gewonnen. Das ist der Grund, warum ich es als Populismus bezeichne. Genauer gesagt als nationalistischen Populismus. Es werden Maßnahmen beschlossen, die sich in Griechenland super verkaufen lassen und derzeit nur Parteien außerhalb des Landes schaden. Hey, das ist easy.

Die liebe Frau Merkel hingegen ist bekannt für ihren Opportunismus.

Ginge man in ein Wettbüro und fragte nach den Quoten, sollte man sein Geld wohl auf Frau Merkel setzen. Die vielen Politiker-Kadaver auf ihrem Weg zollen ihr Respekt. Diese Frau kann sich durchsetzen. Und auch Herr Tsipras sollte nicht leichtfertig Frau Merkel herausfordern.

Allerdings heißt das für uns nichts Gutes. Denn Frau Merkel erringt ihre Siege durch faule Kompromisse. Ich bin in der Tat sicher, dass Frau Merkel auch Herrn Tsipras in den Griff bekommen wird. Zumindest augenscheinlich. Aber wir sollten dann genau hinschauen und auf die Details achten. Denn meine Prognose ist, dass es sehr, sehr teuer für Deutschland werden wird. Wie der plötzliche Sinneswandel beim Atomausstieg zeigte, ist Frau Merkel jederzeit bereit, bis dato wichtige Punkte ihrer politischen Agenda zu opfern. Nur in wenigen Fällen wird das nach außen so transparent, wie bei dem Atomausstieg. In den meisten Fällen bekommen wir davon erst einmal nichts mit und werden erst später dann die Rechnung erhalten.

Wenn Herr Tsipras diese Eigenschaft unserer Kanzlerin durchschaut hat, dann hat er praktisch schon gewonnen.

Veröffentlicht mit Smartphone – Fehler können passieren

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4 Antworten zu “Tsipras gegen Merkel

  1. Zeit.de Leser

    Februar 2, 2015 at 10:33 am

    Sie haben Recht. Literaturtipp dazu: Gertrud Höhler „Die Patin“.

     
  2. marien86

    Februar 2, 2015 at 6:50 pm

    Hallo tinyentropy,
    du vergisst unseren Freund Zufall. Der Atomausstieg hat nur funktioniert, weil der Zufall Fukushima herbeigeführt hat. (Der Verlauf der Katastrophe sowie die Risiken der Nuklearenergie sind natürlich nicht zufällig. Das Erdbeben/Zunami als Auslöser war sehr wohl zufällig).
    Wie weit kann denn Herr Tsipras pokern? Wer wird ihm bei einem Schuldenschnitt helfen? Die Franzosen und Italiener werden wissen, dass Ihnen Niemand ihre Schulden erlassen wird. Gerade sie werden darauf drängen dass ihre Schulden weginflationiert werden. (lange Laufzeiten, Zinsen unter Inflationsniveau.) Das ist zwar auf dem Papier teuer. der Wert eines Gutes hängt aber immer auch von der gefühlten Wertigkeit ab. weginflationierte Schulden fühlen sich sich nicht teuer an. Wirtschaft ist immer auch Psychologie.
    Du schreibst bestimmte Entwicklungen fort, keiner weiß diese Linearität so weitergehen wird. Keiner weiß, wie sich die Anleihekäufe der EZB auswirken werden? Keiner kann Herrn Tsipras einschätzen? Keiner kann die Lage in Griechenland einschätzen?
    Was bedeutet “teuer” bei dir eigentlich? Wie sieht die Gewinn-Verlust-Rechnung für die deutsche VWL den aus? Was müssen wir wirklich bezahlen, wie stark heben wir profitiert?
    Auf all diese Fragen habe ich keine Antworten. Meine Kristallkugel ist gerade in Reparatur. Aber erstmal schreiben es wird teuer. Nein tinyentropy, dass kann auch mein Vater schreiben mit 10. KLASSE POS.
    Ich bin nun wahrlich kein Fan der Frau Merkel. Wenn man aber unterstellt, dass Realpolitik gemacht wird, dass hier ein Haufen Collective-Atcion-Probleme herrschen, und das der Euro einige Geburtsfehler hat, dann relativiert sich Merkels Rolle.
    Klar, sie hätte diese oder jene Entscheidung früher oder später treffen, inwieweit sich die Lage dann gebessert hätte bleibt reine Spekulation.
    Geschichte wird immer auch durch Zufälle bestimmt. Entwicklungen lassen sich nie linear fortschreiben. Ich bin sehr vorsichtig mit Prognosen zu Nichtlineares Systemen.
    Gruß, David

     
    • tinyentropy

      Februar 2, 2015 at 7:06 pm

      Kurze Antwort zwischendurch. “Teuer“ bedeutet für mich, dass der unausweichliche Schuldenschnitt noch länger herausgezögert wird und noch mehr Geld oben drauf gesattelt wird. Anders gesagt. Es wird weiter Geld in Griechenland gepumpt, z.B. um Hr. Tsipras zu beruhigen, ohne dass sich die Situation der Griechen nachhaltig verbessert.

       
      • marien86

        Februar 3, 2015 at 4:09 pm

        Wo ist der Unterschied, ob ich Schulden über bestimmte Kreditkonditionen (Zinsen unter Inflationsniveau, lange Laufzeiten) weginflationiere oder ich direkt Schulden erlasse? Ersteres fühlt „besser“ an. Und, wo sind denn Gelder jenseits Kredite geflossen? Auf die konventionellen Mittel aus den EU-Fonds hat Griecheland ja Ansprüche. (Unabhängig davon, ob sie diese Mittel auch abrufen).

        Gruß, David

         

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