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Auf der Suche nach neuen Gedanken

14 Okt

Wir leben in der Moderne, wir sind die Avantgarde. Nach uns kommt höchstens noch die Zukunft und deren Ausprägung bestimmen letztendlich auch wir.

Die dargestellte Selbstüberschätzung, die uns heutzutage prägt, ist nichts neues. Vielen Generationen vor uns ging es nicht anders und doch wissen wir, dass es eine Zeit danach geben wird. An unsere Stelle werden Andere treten und sich in 1000 Jahren Fragen stellen, was die Menschen damals wohl bewegt haben mag, so schonungslos und ausbeuterisch mit der Erde umzugehen.

Wie mit der Selbstüberschätzung ist es auch mit diesem Gedankenexperiment über die hypothetische Rückschau unserer Nachfahren. Beides ist nichts neues. Und während ich so darüber nachdachte und mich an eine Dokumentation über dieses Thema erinnerte, fiel mir wieder einmal auf, wie schwierig es heutzutage ist einen wirklich neuen Gedanken zu denken. In der ein oder anderen Form ist doch das meiste schon einmal vorgedacht worden und nicht selten bedeutend gründlicher.

Als Wissenschaftler weiß ich natürlich längst um die Schwierigkeit neues Wissen zu schaffen bzw. Zusammenhänge zu erkennen, die der Menschheit bisher verborgen geblieben waren. Es ist möglich und kann durch harte Arbeit und wissenschaftliches Beobachten erreicht werden. Eine andere Quelle dieser Inspiration ist die Kreativität der Menschen. Künstler würden sicher für sich in Anspruch nehmen, dass sie mit mindestens einem ihrer Kunstwerke einen neuen Aspekt geschaffen haben. Ich denke das gehört zum Selbstverständnis eines kreativen Berufs.

Die spannende Frage für mich ist, wann einmal alle möglichen Gedanken gedacht worden sein werden. Die Menschheit im Verlaufe der Jahrtausende stellt quasi einen massiven Parallelrechner da, der emsig Gedankenkonstrukte durchexerziert. Könnte es also sein, dass wir bald alle denkbaren Aspekte erschöpft haben!?

Natürlich ist auch das kein neuer Gedanke. Ich erinnere mich, dass dieses Thema bereits Laplace und viele andere Philosophen beschäftigte. Laplace stellte die These einer Weltformel auf, der zufolge alle Zustände des Universums (demnach auch unseres Gehirns) endlich und berechenbar seien. Wir müssten allerdings alle Naturgesetze und die Anfangsbedingungen verstehen lernen. Doch die wesentliche Aussage in unserem Zusammenhang ist die Berechenbarkeit.

Diesem Gesetzesdeterminismus von Laplace wurde aber vielfach widersprochen und auch ich halte dies allenfalls für eine theoretische Erwägung, die für uns kaum eine Rolle spielt. Letztendlich ist das Gehirn so komplex aufgebaut und verschaltet, dass sich beinahe unendlich viele Möglichkeiten der internen Signalübertragung in seinen Bahnen ergeben. Damit einher geht ein Universum möglicher Gedanken, das wir nur mit einer Taschenlampe ausleuchten können. Es lohnt sich also, den Kopf zu benutzen und mit seinen Gedanken auf Entdeckungsreise zu gehen. Star Trek in unserem Kopf sozusagen. In diesem Sinne wünsche ich Euch allen tolle neue Erfahrungen im Laufe dieser Woche!

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8 Kommentare

Verfasst von - Oktober 14, 2013 in Philosophie, Tiny's Gedanken

 

8 Antworten zu “Auf der Suche nach neuen Gedanken

  1. balorca

    Oktober 14, 2013 at 4:18 pm

    Kann es überhaupt ganz neue Gedanken geben? Eigentlich liegt doch jedem „neuen“ Gedanken eine ganze Gedankenreihe zugrunde, aus der er sich entwickelt hat und dass selbst bei der Entstehung oder Entdeckung von etwas Neuem. .

     
    • tinyentropy

      Oktober 14, 2013 at 4:57 pm

      Interessanter Einwand! Stimmt. Aber ich würde sagen, dass die Schlussfolgerung aus (teils) bekanntem Wissen dennoch vollkommen neu sein kann. Aber es entsteht wohl kaum was auf einer tabula rasa.

       
  2. gnaddrig

    Oktober 14, 2013 at 9:50 pm

    Egal, ob es wirklich echt neue Gedanken geben kann, oder alte Gedanken in wirklich echt neuer Weise kombiniert – wenn ich nicht weiß, welche Gedanken (oder Melodien oder Geschichten usw.) schonmal jemand gedacht hat, kann ich eine beliebige Teilmenge davon selbstständig neu denken. Und dann sind das neue Gedanken, zumindest für alle, die wie ich keine konkrete frühere Instanz der betreffenden Gedanken kennen. Niemand von uns ist der allwissende Erzähler, der genau aufzählen könnte, wer welches Element meines aktuellen Gedankengebäudes schonmal gedacht hat.

    Dass sich Gedanken wiederholen, ist bestimmt richtig, aber es ist von allenfalls begrenzter praktischer Bedeutung, glaube ich, weil viele dieser Gedankengänge ins Leere laufen, vergessen und nicht aufgegriffen und weiterentwickelt und als Grundlage für Weitergedachtes genommen werden. Oder so ähnlich.

     
  3. yt

    Oktober 17, 2013 at 6:04 pm

    Aus der Hirnforschung und dem logischen Verständnis heraus, kann ich mit Gewissheit sagen, dass es immer wieder „neue“ Gedanken geben wird.
    Weil unser Gehirn keineswegs nur reale Fakten miteinander kombiniert, sondern auch unsinnig erscheinendes. Farbgerüche, Reifenlicht, Flugschwammdreiecke.

    Das was du als „Kreativität“ benannt hast, ist meiner bescheidenen Meinung, jedem Menschen gegeben. Die „Kreativität“ der Denkprozesse äußert sich jedoch bei jedem Menschen verschieden. Die Wachowski Brüder haben ihre Träume filmisch dargestellt. In nicht allzuferner Zukunft wird dies wohl noch viel mehr Menschen möglich sein, durch 3D Druckern und neuartigen Schnittstellen.

    Ein Pinsel, ein Klumpen Ton, ist nichts anderes als ein WacomTablet oder eine Kinect. Es kommt nur auf den Mut an.

    Das Universum expandiert, und unser Gehirn wird größer. Mit wachsender Anzahl an Hirnzellen, werden immer neue Verknüpfungen möglich. Absolut kann das Gehirn niemals die Größe des Universum überschreiten. Wir wissen aber aus der Mathematik, dass wir durch Faktorisierung und Kompression den Ballast der Realität durch Formeln und Samples ersetzen können. (Ich hoffe meine beschränkter Wortschatz bringt meinen Gedanken richtig rüber ohne versehentlich falsche Fachbegriffe zu nutzen).

    Tatsächlich wird das Denken immer dem Handeln voraus sein. Auch spontanes Handeln beginnt im Kopf.

    Ich denke, der Menschheit größtes Problem derzeit ist es, die Bildungs-Schere zu schließen, damit wir gemeinsam den nächsten Evolutionssprung schaffen, ohne Mitmenschen auszuschließen.

    Mit verträumten Grüßen,
    yt

     
    • tinyentropy

      Oktober 17, 2013 at 6:44 pm

      Unsere Gehirne expandieren? 😉 Deines vielleicht! Meins tut es nicht. Oder meinst Du damit eine Fortsetzung unserer Evolutionsgeschichte? Selbst da bin ich mir nicht sicher, ob es ‚auf die Größe ankommt‘.

      Was ist übrigens ein Flugschwammdreieck? 😛

       
  4. yt

    Oktober 17, 2013 at 7:19 pm

    Da hast du wohl wahr. Expandieren ist nach einer Weile nicht mehr. Dafür bilden sich aber Knoten. Gute Knoten. Doofe Knoten. Nutzlose Knoten. Sinnvolle Knoten. Flüchtige Knoten. …
    Ja, ich denke schon dass mehr Knoten mehr Masse benötigen, wenn auch nicht proportional …

    Flugschwammdreiecke werden bei einer Reothermie-Vergleichsteilung zur Exofederlösung benötigt.
    Man muss schon ein paar Minuten darüber nachdenken, aber dann ist es durchaus genauso real wie eine Wirtschaftsprognose.

    Mit invarianten Grüßen,
    yt

     
  5. Skidbeast

    Januar 25, 2015 at 3:00 pm

    Ich bin der Meinung, das jeder Gedanke ein neuer Gedanke ist.
    Allerdings gibt es Ähnlichkeiten zwischen den Inhalten vieler Gedanken, mal mehr und mal weniger große und viele.
    Allerdings kann es wahrscheinlich nie mehrere Gedanken mit exakt gleichem Inhalt geben, da sich zumindest die Wahrnehmung von jedem Menschen (aus Körperlichen Merkmalen (z.B. Körperhöhe, anzahle der Stäbchen und Zäpfchen im Auge, Kopfform etc) und Physikalischen Merkmalen( der Ort wo man sich befindet ..))unterscheidet. Daraus resultiert, dass z.B. meine Idee von dem Lied „We are the Champions“ anders ist, als die von jedem anderen Menschen.
    Dies gilt zumindest für alle Gedanken, die sich in irgendeiner weise auf die Welt beziehen, das sind alle die keine Logischen Systeme(wie z.B. Mathematik) sind.

     

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