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Kunst und Werbung

26 Aug

Dieser von Studenten produzierte Werbespot, der nicht von Mercedes in Auftrag gegeben wurde, bewegt zur Zeit die Gemüter.

 

Was denkt Ihr darüber? Mich erinnert der Spot an folgenden Werbespot aus dem Jahre 2009, der ebenfalls heftig diskutiert wurde:

 

 

Meiner Meinung nach gibt es einen klaren Unterschied zwischen beiden Spots. Die wichtige Botschaft der Gesundheitskampagne rechtfertigt den Rückgriff auf das Hitler-Motiv. Dies ist bei der Werbebotschaft für ein Produkt nicht der Fall. Prinzipiell finde ich es nicht gut, wenn man mit der Symbolik aus der Nazizeit Werbung macht, auch wenn die Grundaussage bei diesem Spot stimmt. Solche Themen besitzen eine zu immense Bedeutung, um für kommerzielle Zwecke ausgebeutet werden zu dürfen.

Erst recht finde ich es nicht in Ordnung, dass in dem ersten Spot ein Kind gezielt getötet wird. Dies ist aus moralischer Sicht eine klare Grenzüberschreitung. Was also steht an Aussagekraft diesem Tabubruch entgegen?

Einerseits die Überlegung, ob es richtig sein könnte einen Menschen zu töten, wenn man dadurch Schlimmeres verhindern kann. Ein philosophisch sehr interessantes, aber auch ultra heikles Thema, dem kein kommerzieller Film gerecht werden kann – schon gar kein 30 Sekunden langer Film.

Neben der Fragestellung „eventuell berechtigter Tötungen“ kann man aus dem Film das Motiv „maschineller Autonomie“ herauslesen. Ein hochentwickeltes Automobil fällt autonom die Entscheidung über Leben und Tod. Dies ist ebenfalls ein heikles Thema, welches in dem Spot zwangsläufig zu kurz kommt.

In der Autonomie und Weitsicht des Wagens steckt die eigentliche Werbebotschaft. Doch auch aus dieser Hinsicht ist die Werbung schlecht! Denn sie täuscht mögliche Kunden über die tatsächlichen technischen Fähigkeiten des Produkts. Natürlich!, möchte man sagen. Kein Auto kann das, oder wird das können! Und so scheint es, als ginge es bei der Darstellung um kein konkretes Auto, sondern um eine von dem Produkt losgelöste Aussage. Deshalb ist es Kunst! Kunst, die mit den Mitteln der Werbung umgesetzt wurde. Und meiner Meinung nach sollte es dabei bleiben. Werbung sollte sich nicht in diese Richtung entwickeln. Was denkt Ihr?

 

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8 Antworten zu “Kunst und Werbung

  1. marien86

    August 26, 2013 at 10:09 pm

    Hallo Tinyentropy,

    Kunst soll ja provozieren und Diskurs anregen. Von daher finde ich dieses „Kunstwerk“ in Ordnung.

    Was mich eher stört ist die simplifizierende Aussage. Es geht ja nicht nur darum, ein Kind nicht nicht zu töten. Es muss auch darum gehen das dass „Kind Adolf Hitler“ nicht getötet werden darf!

    Es kann nicht nur darum gehen, dass Menschen einfach umgebracht werden (können). Viel mehr lautet die Frage: warum werden Menschen so wie sie sind? Daran anschließend: kann durch Technik soziale Prävention geübt werden? Gab es irgendwelche Hinweise, die darauf hingedeutet haben, dass Hitler werden würde wie er war? Hätte man die Hinweise maschinell-statistisch auswerten können?

    Gerade dass Hitler-Thema lässt sich nicht vereinfachen. Hitler war eben nicht von Geburt an ein „Monster“. Damit wir uns nicht falsch verstehen: ich will Hitler nicht relativieren. Weil jeder Mensch eine Vernunft hat (so er geistig „gesund“ ist) ist er für sein Handeln selbst verantwortlich.

    Hitler hat all das rassistische und antisemitische Gedankengut seiner Gesellschaft gebündelt. Ich habe den Eindruck, die Gesellschaft relativiert ihre Vergangenheit über Hitler. „Wir waren ja keine Rassisten, wir haben ja nicht gewusst was Hitler macht. Sowieso waren wir mit den Nazis auf Abstand.“

    Ich finde, das Video reiht sich in diese Argumentation ein: kein Führer – alles gut!?

    Zum Aids-Spot: es mag jetzt doof klingen, aber das Aids-Virus hat keine Gleichstellung mit Hitler verdient. Erinnerst du dich an unsere Diskussion von neulich? Das Aids-Virus ist eher wie ein Roboter, der ein Programm abspielt. Es will weder etwas gutes oder böses, es will sich reproduzieren. Reproduktion ist „sinnlos“ aber evolutionär betrachtet rational.

    Das, was die Nazis und Hitler getan haben war sinnhaft und irrational. Sinnhaft, weil sie ihr tun konstruiert haben. Sie haben eine Umwelt geschaffen, in der ihr tun „logisch“ erschien. Ihr Tun war zutiefst irrational. Es gab eben keine Ratio sondern ausschließlich Emotio, um die eine ganze Welt konstruiert wurde.

    Ein Virus mordet nicht, es tötet! Die Nazis haben (nicht nur) getötet, sie haben vor allem gemordet! Massenmord ist so verwerflich, weil er sozial konstruiert wird. Der (natürliche) Tod ist eine objektive Notwendigkeit.

    Der Begriff „Massenmord“ bzgl. Aids ist falsch. Die Gleichstellung mit Hitler ist unangemessen. Es kann der Eindruck entstehen, das Virus sei so „böse“ wie Hitler. Viren besitzen eine Notwendigkeit, sonst hätte sie die Evolution nicht hervor gebracht. Dass diese „Notwendigkeit“ vielen Betroffen das Leben und Leid kostet ist schlimm.

    Aber schlimmer ist wenn Millionen sterben und leiden mussten, weil es einige so wollten.

    Gruß, David

     
    • tinyentropy

      August 27, 2013 at 12:19 pm

      Ja. Wir sind uns einig. Es ist Kunst und muß als solche bewertet werden. Die Aussagen des Spots finde ich auch zu vereinfachend. Weder wäre ohne Hitler ein Drittes Reich unmöglich gewesen, noch war Hitler wahrscheinlich von Geburt an böse. Hier droht die gesellschaftliche Mitverantwortung unter den Tisch zu fallen.

      Beim jetzigen NSA-Skandal finde ich die Frage, ob man durch statistische Auswertungen und mathematische Prognosen zukünftige boshafte Handlungen voraussagen kann, ebenfalls sehr spannend. Es ist ja bekannt, dass einige Polizeibehörden schon in dieser Richtung aktiv sind.

      HIV ist zwar kein rationales Wesen, aber es besitzt die Bedrohlichkeit eines Massenmörders und deshalb finde ich den Vergleich mit Hitler zwar pointiert, aber der Sache zweckdienlich.

      Beste Grüsse

       
  2. Anonymous

    August 27, 2013 at 11:48 pm

    > HIV ist zwar kein rationales Wesen, aber es besitzt die Bedrohlichkeit eines Massenmörders und deshalb finde ich den Vergleich mit Hitler zwar pointiert, aber der Sache zweckdienlich.

    Also darf ich davon ausgehen, dass die mangelnde dt. Krankenhaushygiene (an deren Folgen wohl mehre Tausend/Jahr sterben), Wirbelstürme, Erdbeben und Brotmesser ( mit denen man potentiell auch Tausende umbringen kann) wohl auch in deiner „Zweckdienlichkeitslogik“ als Massenmörder zu bezeichnen sind.

    Die Aussage Hitler und das AIDS-Virus sind gefährlich und bedrohlich ist wahr. Auch Hitler, mangelnde dt. Krankenhaushygiene , Wirbelstürme, Erdbeben und Brotmesser sind sind demnach gefährlich und bedrohlich.

    Die Aussage Hitler und das AIDS-Virus sind Massenmörder ist falsch. Die Aussage Hitler et. al sind Massenmörder ist falsch.

    Hitler und ein Virus in einen Topf zu schmeißen, um zeigen, dass sie „bedrohlich“, dass halte ich für nicht-zielführend. Mit Hitler sind mehr Adjektive verbunden als „Bedrohlichkeit“. Für mich ist Hitler ein Massenmörder, das hat eine andere gefährlichere Bedrohlichkeit als ein HIV-Virus.

    Ich möchte dich mal etwas provozierend herausfordern tiny: wenn Herr Hitler für dich Bedrolichkeit bedeutet, du deshalb die Gleichsetzung mit dem HIV-Virus als zweckdienlich empfindest, dann relativierst du Hitlers Position. Hitler hat bewusst verbrannte Erde hinterlassen, er hat Schrecken bewusst hinterlassen. Auch das HIV-Virus verbreitet verbrannte Erde und Schrecken, Das passiert aber nur, weil wir Menschen nicht „angemessen“ mit dem Virus umgehen: mangelnde Prävention, mangelnde med. Versorgung (in Entwicklungsländern), Stigmatitisierung (nicht nur in Entwicklungsländern), Diskriminierung…

    Ach übrigens, auch Backsteine und Stalin sind bedrohlich.

    Gruß, David

     
    • tinyentropy

      August 28, 2013 at 12:03 am

      Kurz geantwortet: Ich beurteile es nicht aus meiner Sicht, sondern aus der Sicht der sexuellen Aufklärung Jugendlicher. Ein so drastischer Vergleich erzeugt Aufmerksamkeit bei den Jugendlichen. Das finde ich ist der Zweck, der das Mittel heiligt.

       
      • marien86

        August 28, 2013 at 12:18 am

        mhm, lieber würde ich die Jugendlichen auf andere Weise sensiblisieren als mit sowas.

        Aufmerksamkeit – an sich – ist sinnlos. Sie muss im Rahmen von Schule und Ausbildung in Erkenntnis umgesetzt werden. Im Übrigen glaube ich nicht, dass man Jugendliche damit kriegt. Sie wollen – wie alle Menschen – angemessen behandelt werden, dass fängt damit an, dass man sie nicht als pawlowsche Hunde betrachtet, die nur auf bestimmte Reflexe (Hitler-Vergleiche) reagieren.

        Gruß, David

         
      • tinyentropy

        August 28, 2013 at 11:22 am

        Du übertreibst 😉

         
    • yt

      September 4, 2013 at 7:35 am

      Ich finde in dem Zusammenhang zweckdienlich auf den Film: „In China Essen sie Hunde“ hinzuweisen. Die Intention der Handlung, das bewusste Handeln ist der springende Punkt.

      Meiner Meinung ein sehr guter, philosophischer Film. Ähnlich wie Leben des Brian, Idioten oder The Big Fish.

      Mit feinsinnigen Grüßen,
      yt

       
  3. marien86

    August 28, 2013 at 6:52 pm

    Ja, wenn es „zweckdienlich“ ist 🙂

     

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