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Innenansichten eines Unrechtssystems

23 Nov

Es geht heute um Geschichten aus Nordkorea. Um Flüchtlingsgeschichten. Doch bevor ich Euch den Link nenne, möchte ich noch ein paar Gedanken niederschreiben, die mich aufgrund der Biographien erfasst haben.

Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf. Diese radikale Aussage wird dem Staatsrechtler Thomas Hobbes zugeschrieben. Der Wolf symbolisiert ein ungezügeltes Wesen, frei von Mitgefühl für seine Opfer. Dass auch dem Wolf damit Unrecht getan wird, will ich kurz anmerken, aber nicht weiter ausführen. Der Mensch gibt unter gewissen Umständen sein reflektiertes Handeln auf und lebt ein rücksichtsloses, kaltes, vollkommen asoziales Verhalten aus. Beispiele dafür gibt es in der Geschichte unzählige; insbesondere während der Nazizeit (siehe z.B. diesen Artikel des Blogs).

Demnach scheint die Aussage über „das Raubtier Mensch“ zu stimmen. So bald es die Umstände erlauben, legen wir die uns mühsam anerzogenen sozialen Verhaltensweisen ab und benehmen uns rücksichtslos.

Aber was heißt das, „wenn es die Umstände erlauben“? Vielleicht erzwingen es die Umstände? Vielleicht denken wir bloß einem Zwang zu unterliegen?

Es lohnt sich die Umstände jedes Einzelfalls zu untersuchen, um Antworten und Hinweise auf die Ursachen dieser dunklen Seite an uns zu ergründen. Hier verweise ich auf die Literatur der Philosophie. Denn dieser Diskurs liegt außerhalb des Rahmens für diesen Artikel. Es ist aber eine spannende Frage. Die Frage nach dem Bösen in uns.

Fest steht, dass gesellschaftliche Systeme, die in ihren politischen Grundzügen Unrechtssysteme sind, dieses asoziale Verhalten der Menschen auslösen. Wir können das im Falle des Naziregimes und den sowjetischen, sozialistischen Regimen deutlich erkennen. Das Buch Die Welle zeigt in einem sozialen Experiment die wesentlichen Mechanismen auf, die dahinter stehen.

Es kommt gar nicht so sehr auf die Ideologien der Systeme an, sondern auf deren systemisch verankerten gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten.

Angeregt zu diesem Artikel wurde ich durch eine Serie von Lebensberichten von Flüchtlingen aus Nordkorea. Es sind schockierend heftige Geschichten von Unfreiheit und existenziellen Nöten, die von Staatsseite den Menschen aufgebürdet werden. Ein fundamentales Ungerechtigskeitssystem, dessen Repräsentanten in skrupelloser Weise die ihnen verliehene Autorität ausnutzen, während sie doch in vielen Fällen selbst zu den Opfern zählen.

Die Lebensberichte wurden in einer Radioreportage präsentiert. Interessanterweise ist diese MP3 im Podcastangebot des Senders nicht mehr verfügbar, obwohl andere, wesentlich ältere Sendungen noch abgerufen werden können. Ich habe mich bei dem Sender erkundigt und warte auf Antwort. Ich werde Euch darüber informieren. Bis dahin könnt Ihr die Berichte unter oben genanntem Link lesen.

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5 Antworten zu “Innenansichten eines Unrechtssystems

  1. marien86

    November 26, 2012 at 6:13 pm

    Hallo tinyentropy,

    ich muss mal kurz Hobbes in den richtigen Zusammenhang einsortieren. Er suchte nach einer Begründung, warum ein (politisches) Gemeinwesen notwendig ist. Deshalb hat er den Naturzustand konstruiert, wo es eben kein Gemeinwesen gibt. Darauf ist sein Zitat gemünzt. Wenn die Nazis oder die Nordkoreaner ihrer Staatsgewalt Brutalität anerziehen, hat dies eben nichts mit Naturzustand zu tun. Zumal sich der Deutsche bzw. Nordkorenanische Parteikader in Sicherheit wiegen kann. Im Naturzustand herrscht eben Unsicherheit für alle. Wirklich Jeder ist des Nachbars Wolf. Die Nazis haben einigen ideologischen Aufwand betrieben damit sie ihre Ziele erreichten. Das Leute einfach mal so, ihre Moral über warfen stimmt nicht.

    Über was man diskutieren kann: warum genügte der ideologische Aufwand der Nazis? Warum waren wir nicht resistenter?

    Ich würde das Wort Unrechtssystem durch Unmoralisches System austauschen. Dann wird klarer worauf du hinaus willst. Denn Recht basiert auf Moral. Wenn du ein Messer moralisch angemessen verwendest, schafft es Mehrwert. Wenn du ein Messer moralisch unangemessen verwendest, schafft es Destruktion Ungerechtigkeit ab einer bestimmten Form basiert auf einer Unmoral. Und da sind wir wieder bei Hobbes: weil ein Gemeinwesen bestimmte Kategorien von Gerechtigkeit durchsetzt, kann der Mensch angst frei seinem Leben nach gehen. Wenn ein Gemeinwesen eine Unmoral etabliert, leben einige Menschen in ständiger Angst. Dies ist eben nicht Absicht seines Gesellschaftsvertrages.

    Hobbes in die Nähe von Diktaturen zu rücken halte ich für falsch, da würde sich (wenn schon) Rousseau mit seinem Volonte Generale eignen.

    Gruß, David Marien

     
    • yt

      Januar 18, 2013 at 12:29 pm

      » Über was man diskutieren kann: warum genügte der ideologische Aufwand der Nazis? Warum waren wir nicht resistenter? «

      Ja, dazu würde ich gerne mal Meinungen lesen.

      Mit vielseitigen Grüßen,
      yt

       
  2. tinyentropy

    November 28, 2012 at 11:21 am

    So, hier die Antwort der Dok5-Redaktion:
     
    vielen Dank für Ihre Zuschrift und Ihr Interesse an unserem Feature-Programm.
     
    Auch Übernahmen von Sendungen anderer Rundfunkanstalten sind urheberrechtlich geschützt. Daher erlauben manche Sendeanstalten die Einstellung des Audios und des Manuskript ins Internet nicht oder nur einen begrenzten Zeitraum, wie es bei der Sendung „Lebensberichte aus Nordkorea“ gewesen ist. Der Podcast wurde nach sieben Tagen aus dem Angebot genommen. Wenn Sie einen Mitschnitt der Sendung erhalten möchten, wenden Sie sich bitte an den Mitschnittservice des rbb (http://www.rbb-online.de/unternehmen/service/mitschnittservice/mitschnittservice.html).
     
    Freundliche Grüße

     
  3. Chujwdupie

    März 10, 2013 at 4:59 am

    Klasse Service vom Staatsrundfunk, passt zu der Gleichschaltung der GEZbühren wie Faust aufs Auge. DIe können nur abkassieren, am besten doppelt und dreifach. „Mitschnittservice“, hallo? alle noch zu Hause? Wir schreiben das Jahr Zweitausenddreize-e-ehn!

     
  4. tinyentropy

    März 29, 2013 at 11:27 am

    Zum Thema folgender Artikel von Zeit.de „Nordkorea: Das Land, das niemand sehen darf“

    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-03/nordkorea-hilfsorganisationen

     

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