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Geschichte im Rückwärtsgang

13 Sep

Das Fach Geschichte war Teil meiner Abifächer. Daran musste ich kürzlich denken, als ich mich mit jemandem über Geschichtsunterricht unterhalten habe. In meiner Erinnerung sind wir damals den typischen pädagogischen Weg, beginnend bei der Hochkultur der Griechen bis hin zu der Moderne, gegangen. Schrittchen für Schrittchen. Sehr langsam und detailverliebt.

Wenn ich nun zurückblicke, erscheint mir diese Vorgehensweise ungeschickt. Denn ihr liegt ein zeitlicher Sprung über mehr als zwei Jahrtausende in die Vergangenheit zugrunde! Ist es denn da verwunderlich, dass junge Schüler damit überfordert sind, sich mental auf diesen gewaltigen Kontextwechsel einzulassen?

Der amerikanische Psychologe Bruce Levine bemängelte, dass die heutige Jugend die Lesekompetenz vernachlässigt. Seiner Meinung nach liegt das daran, dass die Kinder in den Schulen Texte lesen müssen, zu denen sie keinen Bezug haben. Und das sehe ich ganz genauso. Ich musste dabei eben an meinen Geschichtsunterricht denken, der mir nur selten wirklich Spass gemacht hat. Heute ist das anders. Ich liebe es geschichtliche Zusammenhänge zu erkunden und freue mich, wenn ich epochenübergreifende Zusammenhänge verstehen lerne.

Deshalb würde ich Geschichtsunterricht anders angehen, sozusagen von heute ausgehend die Fragen an die Vergangenheit adressieren. Einleitend könnte man seinen Schülern die Fragen stellen, wie sie sich die Entwicklung der Menschheit vorstellen; was sie glauben, welche geschichtlichen Ereignisse unsere Gesellschaft (und im Vergleich dazu andere Gesellschaften) geprägt haben!? Sicher kommen dann sehr schnell die ersten Mutmaßungen, von wegen Nazideutschland, Römerreich, antikes Griechenland. Und genau diese Vorschläge könnte man als Wegmarkierungen für eine investigative Reise in die Vergangenheit benutzen. Die entscheidende Idee ist es, den Schülern das Gefühl zu vermitteln sie seien „Detektive der Vergangenheit“ und ihre Aufgabe sei es, die wichtigen Landmarken unserer Geschichte zu rekonstruieren.

Irgendwie glaube ich, dass diese Reise nach dem Prinzip „vom Hölzchen auf's Stöckchen“ uns sehr effektiv durch die Geschichte führen würde und als Nebeneffekt verspreche ich mir, dass die Schüler dabei sehr motiviert wären. Weil sie sich ihren eigenen Zugang zur Geschichte erarbeiten und dabei als Team agieren. Das heisst, sie müssen sich überlegen, welches Thema einen längeren Abstecher verdient. Als einzige Leitplanke dient die Idee, dass wir gemeinsam einen tragfähigen Bogen über mehr als 2000 Jahre spannen wollen, der uns hilft, unsere prägende Vergangenheit besser zu verstehen.

Bleibt die Frage, wie habt Ihr Euren Geschichtsunterricht erlebt? Vielleicht ja genau in dieser Weise!? 🙂

 

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Eine Antwort zu “Geschichte im Rückwärtsgang

  1. yt

    September 18, 2012 at 3:29 pm

    Jemand schrieb an die Pinnwand der Klasse

    [Name des Lehrers] ist ein alter Nazi

    Der Geschichtslehrer ordnete mir diese Botschaft zu. Er mochte keine Freidenker und Querolanten. Auch meine sozialistischen Einflüsse mochte er glaube ich nicht. Ich gebe zu, sicher nicht der bequemste Mensch in der Klasse gewesen zu sein, aber die Nachricht war viel zu primitiv um aus meiner Feder zu stammen. Und da er sowohl Geschichts als auch Deutschlehrer war, vermasselte er mir mit zwei unterirdischen Zensuren den Zugang zum Abitur. Ich war leider damals nicht so weit, das kommen zu sehen. Ich rannte da eher in ein offenes Messer.

    Das erlebte ich. Bildung ist wie Politik. Früh bückt sich, wer befördert werden will.

    Den interessanteren Unterricht hatte ich in Wirtschaft. Der Wirtschaftslehrer war keine rote Socke, aber er hatte das Herz auf dem rechen Fleck und gab uns die richtigen Denkanstöße. Dazu bemühte er regelmäßig die Geschichte.

    Ich halte die Trennung der Fächer schon für einen Fehler. Eine Spezialsierung ist ja schön und gut, aber nur Zusammenhänge lehren das Verstehen. Auswendig gelerntes ist. meiner Meinung, oftmals, eher nutzloses Wissen.

    Und ja, ich finde deinen Ansatz auch richtig. Denn nur wenn man etwas wissen will, lernt man es auch richtig und verinnerlicht die Antworten die daraus resultieren.

    Mit autodidaktischen Grüßen,
    yt

     

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