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Das andere Gesicht des Versandhandels

17 Aug

Amazon, Zalando & Co laden uns ein, zu kaufen und wieder Retour zu senden. Manche Deutsche betreiben das Gratis-Testen regelrecht als Hobby. Da werden schon mal neun Kleidungsstücke bestellt, anprobiert und wieder zurückgesendet. Oder ein aktuelles Smartphone wird komplett in Betrieb genommen, mit Daten bespielt, gerootet, einen Monat lang mit herumgetragen und dann doch wieder zurück geschickt. Die Skrupel etwas zurück zu schicken schwinden zusehens.

Aber wie wird dies alles im Hintergrund von den Versandhändlern abgewickelt? Die Rücknahme der Waren, das Prüfen und Wiederverpacken der Artikel verursacht schließlich einen hohen personellen und finanziellen Aufwand! Und machen Amazon und Zalando mit diesem Geschäftsmodell überhaupt noch ausreichend Gewinn?

Die Antwort auf diese Fragen findet sich in Form billig entlohnter Jobs, die oft noch vom Staat bezuschusst werden müssen. Aber für die kurzfristigen Ziele der Politiker lohnt es sich, denn so verschwinden die Leute aus den Statistiken der Arbeitsämter.

Alternativ wird die Arbeit von Lohnarbeitern aus Polen verrichtet, wie man es auch von den Großfleischereien her kennt. In vielen Jahren wird die Gesellschaft die Rechnung zahlen, weil die Rentenkassen nicht mehr befüllt werden. Und den Arbeitern bleibt auch während ihrer aktiven Zeit nicht viel zum Leben.

Deutschland verändert sich. Der Anteil an Niedriglohnarbeit wächst stetig.

Und Zalando scheint es nicht einmal um Gewinn zu gehen. Die Marke soll grossgemacht und dann verkauft werden. Denn so richtig rentabel kann das Geschäftsmodell nicht sein, wie es in der ZDF-Sendung ZOOM recherchiert wurde.

 

 

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3 Kommentare

Verfasst von - August 17, 2012 in Dokumentationen, Gesellschaft

 

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3 Antworten zu “Das andere Gesicht des Versandhandels

  1. Mascha

    August 17, 2012 at 7:00 pm

    Mir macht mehr Sorgen, daß wir dann die „getestete“ Ware als „neue“ zugesendet bekommen.

     
  2. marien86

    August 17, 2012 at 7:31 pm

    Hallo tinyentropy,

    das verwundert mich gar nicht. Und alle tragen so ziemlich die selbe Teilschuld. Der Konsument, der nicht mehr bereit ist angemessene Preise für angemessene Arbeit zu zahlen. Der Produzent, der den Konsumenten bedient (oftmals unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Kundenbindung -> Gewinnsteigerung), der soziale Standards gerade so einhält oder unterläuft und der Staat, der sich einen int. Wettbewerb sinkender Sozialstandards gegenübersieht.

    Ohne eine Einpreisung von angemessen bezahlter Arbeit/Arbeitsbedingungen und ohne die Erhöhung internationaler Sozialstandards wird sich an dieser Geschichte nichts ändern. Solange der dicke BMW wichtiger ist als angemessen produzierte Güter des täglichen Bedarfs, gibt es keine Notwendigkeit, seine Präferenzen zu überdenken.

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      August 19, 2012 at 12:52 pm

      Ich gebe Dir absolut recht. Und Einpreisung wäre ein gutes Mittel, um die Dinge ins rechte Verhältnis zu setzen. Das habe ich auch schon mal thematisiert:

      „Dabei wäre es doch interessant und wichtig zu erfahren, was unser Leben kosten würde, wenn wir in die Kostenrechnung für Lebensmittel und Kleidung all die versteckten Kosten der billigen Lohnarbeit, der Umweltschäden, des Leids miteinbeziehen würden. Sehr wahrscheinlich würden wir am Ende auf vieles verzichten müssen.“

      https://tinyentropy.com/2012/03/20/gefuhlt-reich-und-das-auf-kosten-anderer/

       

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