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Jede Wette, Du machst es nicht lange…

26 Mai

Diese Zeilen schreibe ich auf einem Apple Ipad. Und warum ist dies von Bedeutung? Ganz einfach, weil Apple, als Produzent, mit seinen Produkten ein Musterbeispiel für ein Phänomen namens „Geplante Obsoleszenz“ ist. Dahinter verbirgt sich, dass während der Designphase von Produkten deren Funktionsweise absichtlich auf eine vorgegebene Zeitspanne begrenzt wird, so dass die Geräte mit hoher Wahrscheinlichkeit nach Ablauf dieser Zeit durch einen Neukauf ersetzt werden müssen. Im Falle meines Ipads wird dies an zwei offensichtlichen Mängeln deutlich.

Das Ipad lässt sich nicht öffnen, weil seine Komponenten zusammen geklebt wurden. Eine Reparatur ist gar nicht möglich, also wurde diese Option ganz bewusst ausgeschlossen. Das bedeutet auch, dass sich der Akku nicht wechseln lässt, und solch ein Akku verliert mit der Zeit deutlich an Leistungskraft.

Mein Ipad ist sehr gut gepflegt. Nach 1-2 Jahren wird es immer noch wie neu aussehen. Aber der schlappe Akku wird es dann als gebrauchtes Gerät ausweisen und es wird viel zu früh der Zeitpunkt kommen, dass ich es nicht mehr richtig nutzen kann.

Es ist ein Fakt, der mich als Kunde richtig sauer macht.

Ich denke, wir wissen inzwischen alle um die Problematik, dass Geräte heutzutage nicht mehr repariert werden und viel zu früh auf dem Müll landen. Besonders schlimm ist es, dass riesen Mengen Elektroschrott in den Elendsgegenden anderer Länder (wie Afrika) entsorgt werden.

 

 

Vor diesem Hintergrund ist geplante Obsoleszenz also ein ernstes Problem. Nicht nur für unser Portemonnaie! Es leidet die Umwelt darunter, dass Produkte eine so kurze Lebenszeit haben, obwohl sie – rein technisch betrachtet – über viel längere Zeiträume benutzt werden könnten.

Natürlich geht der Trend in der Moderne dahin, dass man Produkte schon nach etwa zwei Jahren ersetzt, weil sie technisch überholt sind. Diese Entscheidung sei auch jedem unbenommen. Aber es ist eine Katastrophe, wenn die Produkte dann direkt auf dem Müll landen, anstatt dass man sie verschenkt oder verkauft. Nicht jeder hat dieselben hohen Anforderungen an Technik und viele Leute freuen sich auch jetzt noch über ein Iphone der ersten oder zweiten Generation.

Geplante Obsoleszenz ist in der Wirtschaft weit verbreitet. Es gibt eine Reihe von guten Ideen und Produkten, die aufgrund dieses Prinzips verhindert wurden. An ihrer Stelle erschienen schlechtere Produkte. Ein bekanntes Beispiel sind Glühbirnen, die längst viel leistungsfähiger sein könnten, wenn nicht ein Konsortium von Herstellern dies verhindert hätte. Auch das zum Schutz von Smartphones bekannte Gorilla-Glas hatte es am Anfang schwer. Es wurde schon vor Jahrzehnten erfunden. Aber erst durch das Iphone wurde es bekannt. Vorher bestand offenbar kein Bedarf für gehärtetes Glas!?

Die folgende Arte-Doku widmet sich ausführlich diesem spannenden Thema und ist sehr empfehlenswert. Immerhin würde kein Hersteller offen zugeben, dass seine Produkte nicht optimal designt und produziert werden.

Update:

Artikel in der WELT über das Thema

Murks melden; wo Verbraucher sich über schlechte Artikel Luft machen können

 

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15 Antworten zu “Jede Wette, Du machst es nicht lange…

  1. marien86

    Mai 27, 2012 at 1:45 pm

    Hallo tinyentropy,

    klar ist ärgerlich, wenn Firmen mit geplanter Obsolenz ihrer Produkte zusätzliches Geld verdienen wollen. Nur, es ist deren Job ihren Profit zu maximieren. Natürlich kann und soll der Staat Rahmenbedingungen setzen, die eine Balance zwischen Ökonomie und Ökologie herzustellen. Was nutzen aber Rahmenbedingungen, wenn die Leute beim Kauf ihr Hirn ausschalten und dem Hype verfallen?

    In einer Marktwirtschaft gibt es nicht nur die bösen Firmen, es gibt auch bequeme Kunden, die Fakten bereitwillig ignorieren und sich allzu gern von der Werbung einlullen lassen.

    Ich will gar nicht abstreiten, dass Iphone, Tablet und Co. praktischen Mehrwert für ihre Nutzer darstellen. Einige Hundert Euro habe ich im Verlauf der letzten Jahre einsparen können weil ich auf solche Geräte verzichtet habe. Bei mir werkelt immer noch ein fünf Jahre altes Notebook und ich kann sehr gut mit einem Telefon leben was nur telefonieren kann. Dafür bin ich zwar nicht „allways on“, das Leben geht aber auch weiter wenn man nach der Uni ins Internet geht.

    Smartphone, Tablet und Co. sind voll leistungsfähige Computer, deren Potential wir gar nicht ausschöpfen können. Für ein bisschen zusätzliche Rechenkraft liegen 90 % der Prozessorressourcen lahm, viele Stunden am Tag.

    Das ist also die neue Effizienz der Moderne: ein Auto, dass 23 Stunden am Tag rumsteht, ein Telefon-PC, der 18 Stunden am Tag vor sich hin rödelt, der neue HD Flatscreen, der auf stand by läuft. Und (nur) die Industrie ist schuld? Wir, die armen Konsumenten (haben uns selbst) entmündigt, von Politik und Wirtschaft, sind diesem System ausgeliefert?

    Auch wegen Artikel, wie deinem hier, betreibe ich mein Blog der Mittelmäßigkeit. Es ist eben nur Mittelmaß, sich den Schuldigen zu suchen, der besonders sichtbar und angreifbar ist. Ich bin, wie wir alle ab und an, auch nur mittelmäßig. Ich versuche mein Mittelmaß aber nicht durch Verweis auf Andere zu relativieren.

    Jede Wette tinyentropy, dass wir Konsumenten, Anleger und Bürger dieses System (mehr oder minder) bereitwillig zugelassen haben.

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      Mai 27, 2012 at 3:58 pm

      Hallo!
      Nun, der Reihe nach. Zuerst einmal sei gesagt, dass ich auf ein Thema aufmerksam machen wollte, das von Seiten vieler Hersteller nicht offen zugegeben wird. Die Motive der Hersteller sind unstrittig. Als Kunde habe ich aber das Recht anderer Meinung zu sein.

      Natürlich entscheidet jeder Konsument durch sein Kaufverhalten, ob er die offensichtlich geplante Obsoleszenz den Produzenten durchgehen lässt, oder nicht. Aber was folgt daraus? Das man als Kunde den Mund halten sollte und das Thema nicht diskutiert!? So lange dieses Problem nicht im Fokus der Öffentlichkeit ist, hilft es wenig, dass ich auf den Kauf des Geräts verzichte. Deshalb ist es sinnvoll auf das Problem aufmerksam zu machen. Es führt auch dazu, dass andere Hersteller die Lücke füllen und
      interessante Konkurrenzangebote machen. So lange es nämlich nur ein einziges Ipad auf dem Markt gibt, hat man keine wirkliche Wahl, ausser völlig auf das Gerät zu verzichten. Da ich es täglich über viele Stunden nutze, hätte der Verzicht auf den Kauf mich auch nicht glücklicher gemacht. Ich denke, auch nachdem man Kunde einer Firma geworden ist, sollte man der Firma Feedback geben, wie sie die Produkte zukünftig verbessern sollte. Eben weil ich ein Kunde bin, ist es an mir die Probleme zu benennen, genauso wie ich mich an anderer Stelle lobend äussere.

       
      • marien86

        Mai 27, 2012 at 5:13 pm

        Hallo tinyentropy,

        danke für deine Antwort.

        > Natürlich entscheidet jeder Konsument durch sein Kaufverhalten, ob er die offensichtlich geplante Obsoleszenz den Produzenten durchgehen lässt, oder nicht. Aber was folgt daraus? Das man als Kunde den Mund halten sollte und das Thema nicht diskutiert!? So lange dieses Problem nicht im Fokus der Öffentlichkeit ist, hilft es wenig, dass ich auf den Kauf des Geräts verzichte. Deshalb ist es sinnvoll auf das Problem aufmerksam zu machen.

        Du verstehst mich falsch. Es geht mir eben nicht um das „Nicht-kommunizieren“, sondern um das Überdenken des Konsumverhaltens. Wenn du das Ipad ausgiebig nutzt, ist das ja eine gute Sache. Viele Geräte, die viel Rechen- und Speicherleistung besitzen liegen die meiste Zeit ungenutzt herum. So stellt sich bei dem Einem oder Anderem schon die Frage, ob man dieses Gerät wirklich benötigt. Ja, diese Geräte geben dem Einzelnen wie auch der gesamten Volkswirtschaft einen Mehrwert. Es entstehen vor allem aber auch Kosten, die vergesellschaftet werden.

        Es geht mir nicht um deine Kritik als solche, sondern um die Einseitigkeit. In einer Marktwirtschaft gehören Konsumenten und Produzenten immer zusammen. Der höchstmögliche Druck der Konsumenten wäre in der Tat ein Boykott von Produkten die unter unangemessenen ökologischen und sozialen Aspekten gekauft wurden. Mir ist klar, dass es in der Masse soweit nie kommen wird. Ich bezweilfe sogar, dass „die Masse“ bereit wäre für angemessene Produktionsbedingungen angemessen zu zahlen. Die Produzenten sind gezwungen Profit zu erwirtschaften, dass ist ihr Job. Doch staatliche Regulation der Produktionsbedingungen wirken heute nur sehr begrenzt. Weder reine Planwirtschaft, noch reine Deregulation lösen das Problem.

        Unternehmen müssen Anreize gesetzt werden um bestimmte Produktionsbedingungen zu schaffen. Die besten Anreize schaffen die Konsumenten mit ihrer Kaufentscheidung. Wenn ein Konsument für bestimmte Produktionsbedingungen bereit ist einen bestimmten Preis zu zahlen wird sich etwas ändern. Ganz ohne Kritik und staatliche Regulation, die Kritik preist der Kunde ja bereits ein.

        Ja, dass klingt alles sehr marktgläubig. Was ist dein Vorwurf an Apple? Dass sie auf deine Kosten, auf Kosten der Umwelt Profit erwirtschaften? Dass sie dich nicht mit den Infos versorgen, die du für (bessere) Kaufentscheidungen benötigst? Sie wollen ihre Produzentenrente, ihren Profit maximieren. Die Art und Weise kann und soll man kritisieren. So lange aus dieser Kritik jedoch keine durch die Masse agreggierten Mindereinnahmen entstehen wird Apple daran nichts ändern. Da sind wir dann wieder bei dem Konsumverhalten. Mindereinnahmen lassen sich relativ konkret messen. Wie bemisst und bewertet man deine Kritik?

        Ich kritisiere auch viele Dinge, sitze auch nur untätig vor dem Computer. Ich könnte Protestschreiben verfassen, Wahlentscheidungen fällen, mein Konsumverhalten entsprechend ausrichten. Solange meine Kritik aber nur im Blog verbleibt, landet sie im digitalen Nirvana. Sie ist nicht mehr messbar.

        Bestimmt wäre ich produktiver, glücklicher mit einem Ipad. Aber ich verzichte auf ein Stück Produktivität und Glück. Ich habe schon genug Geräte, die aus China und Taiwan kommen. Ich werde sicher noch genügend Geräte kaufen müssen. Deshalb will ich mein Konsum, meine Produktivität auf das wirklich notwendige beschränken. Würden mehr Leute ähnlich denken, hätten wir dein beschriebenes Problem nicht.

        Um klarzustellen: ich bin kein Öko und kein Technik- und Fortschrittsverweigerer, im Gegenteil. Fortschritt kann nur gelingen, wenn Ressourcen für wirklich notwendiges bereitgestellt werden. Mit unserem Konsumverhalten tragen wir dazu bei, Ressourcen für das wirklich Notwendige bereitzuhalten.

        Gruß, David Marien

         
      • tinyentropy

        Mai 27, 2012 at 5:38 pm

        > „Wie bemisst und bewertet man Deine Kritik? (…) Solange meine Kritik aber nur im Blog verbleibt, landet sie im digitalen Nirvana. Sie ist nicht mehr messbar.“

        Deshalb habe ich meine Kritik neben diesem Post auch direkt an Apple geschickt. Apple ansich ist allerdings gar nicht das Thema, sondern geplante Obsoleszenz als ein Witschaftsfaktum. Und was dieser Post bewirken könnte, ist, dass sich mehr Leute dessen bewusst werden.

        Dem anderen Punkt stimme ich total zu. Es wird im übertriebenen Masse auf die Leistung geschaut, obwohl viele Menschen die Geräteleistung überhaupt nicht ausnutzen. Grins, das ist übrigens genau wie mit unseren Gehirnen.

        Lieben Gruss

         
  2. marien86

    Mai 27, 2012 at 1:46 pm

     
  3. marien86

    Mai 28, 2012 at 12:36 am

    Hallo tinyentropy,

    > Deshalb habe ich meine Kritik neben diesem Post auch direkt an Apple geschickt. Apple ansich ist allerdings gar nicht das Thema, sondern geplante Obsoleszenz als ein Witschaftsfaktum. Und was dieser Post bewirken könnte, ist, dass sich mehr Leute dessen bewusst werden.

    Deshalb werte ich deinen Artikel positiv, auch wenn meine Kritik etwas anderes lässt. Ich alles andere als ein Apple-Fanboy, ich war allerdings etwas irritiert als im Netz wieder mal ne Empörungswelle schwappte, wie Apple so schlechte Produktionsbedingungen zulassen bei Foxcon könnte. Es wurde dabei übersehen, dass auch alle Anderen unter den selben Bedingungen bei Foxcon produzieren lassen.

    Ich habe deinen Artikel (mis)verstanden als
    „Apple und die Industrie betreibt geplante Obsoleszenz, das ist schlecht“
    Du meintest sicher eher:

    „Mein Artikel soll anhand des Beispiels Ipad zur Bewusstseinsbildung über geplante Obsoleszenz beitragen, damit Leute gezielter Kaufentscheidungen treffen können.“ Da sind wir wieder voll beisammen.

    Dass du die Kritik auch gleich an Apple gesendet hast lässt uns noch näher zusammenrücken.

    Zu dem Gehirn und der vollen Leistungsfähigkeit:

    Ist es aus evolutionärer Sicht überhaupt sinnvoll/nützlich die Kapazität des Gehirns voll auszunutzen? Wenn dem so wäre, könnten wir doch (wären wir fähig) mehr Kapazität abrufen. Als Laie finde ich den Kontext zur geplanten Obsoleszenz hier irreführend, weil die Mechanismen der Evolution ja keine künstliche Verknappung von Ressourcen/Kapazitäten hervorrufen. Wenn überhaupt ist diese Verknappung ein Ergebnis von actio und reactio. Es ist wieder ein typisch menschlicher Fehlschluss, zu kritisieren, dass wir unsere Hirne nicht voll ausnutzen können. Mit dem (vollständigen) Wissen über Evolution, wäre diese Schlussfolgerung, die einzig logische und richtige.

    Ich will mir gar nicht vorstellen, welche Grausamkeiten Leute anstellten, würden sie ihre Hirne besser ausnutzten. Intellektuelle Kapazitäten ersetzen keine gesellschaftlich integrierenden Moralvorstellungen. Diese Moral gepaart mit geringen intellektuellen Kapazitäten, schafft auch einen kleinen Mehrwert für die Gesellschaft. Da kommen wir wieder zum Konsum. Ich kann mithilfe der Logik, Mathematik und Statistik für und gegen geplante Obsoleszenz argumentieren. Welche Annahmen ich meiner Argumentation zugrunde lege, hängt von gesellschaftlich etablierten Moralvorstellungen/Normen ab. Bewusstseinsbildung bedeutet immer auch Moralbildung. Da komme ich mit Logik nicht sehr weit. Für Apple und Co. sind verschiedene Konsumverhalten Gegenstand der Gewinnmaximierung. Das eigentliche Konsumverhalten hängt von der gesellschaftlichen Moral ab. Superhirne und Supercomputer allein machen keine bessere Gesellschaft. Das Wissen wir ja seit Douglas Adams. 🙂

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      Mai 29, 2012 at 9:15 am

      Mein Artikel ging tatsächlich in die Richtung „Apple und die Industrie betreiben geplante Obs. und dies ist schlecht“. Insofern danke ich Dir sehr für Deinen Beitrag und den berechtigten Hinweis, dass man sich als Kunde abstrafend verhalten sollte. Das kam bei mir zu kurz.

      Andererseits führen wir diese Diskussion ja nicht zum ersten mal 😉 Du machst mich ja desöfteren darauf aufmerksam, dass Änderungen bei einzelnen Personen anfangen müssen. Ja, das stimmt. Aber ich finde, dies wäre ein eigenes Thema für einen Blogbeitrag. Ich glaube es ist nicht verkehrt, das zu trennen und manchmal einfach bloss ein Problem zu benennen und die Primärschuld denjenigen zu zuschreiben, die sie verursachen. Denn die Hersteller stellen zuerst die Weichen, die Kunden geben erst in zweiter Linie durch ihr Kaufverhalten eine Entscheidung ab. Es ist also nicht falsch, die Hersteller in die Pflicht zu nehmen. Siehe dazu meinen Beitrag über das Buch „Unternehmen als moralische Akteure“:

      https://tinyentropy.com/2011/10/22/ach-komm-mir-doch-nicht-mit-moral/

      Ich möchte auch nicht unter jeden Artikel die Moralkeule setzen, dass wir Kunden daran mit schuldig sind. Das weiss doch jeder, zumindest jeder, den ich hier anspreche. Wenn man dies immer wieder Gebetsmühlen artig wiederholt, schwächt sich die Bedeutung ab und jeder macht bloss noch zu. Die eigene Schuld erkennt man erst durch eigene Überlegungen an. Wenn es andere einem zu oft auf’s Brot schmieren, hört man nicht mehr zu und verdrängt diese Frage. Das will ich vermeiden.

      Gruss!

       
  4. John R.

    Mai 28, 2012 at 9:43 pm

    Wir leben eben in einer Wegwerfgesellschaft, in der man weder reparieren will noch für die Ewigkeit bauen möchte. Das würde ja den Kapitalismus und das Gesetz des Wachstums in Frage stellen und wie kann man das nur zulassen…

     
  5. marien86

    Juni 2, 2012 at 3:38 pm

    Hallo tinyentropy,

    > Du machst mich ja desöfteren darauf aufmerksam, dass Änderungen bei einzelnen Personen anfangen müssen. Ja, das stimmt. Aber ich finde, dies wäre ein eigenes Thema für einen Blogbeitrag. Ich glaube es ist nicht verkehrt, das zu trennen und manchmal einfach bloss ein Problem zu benennen und die Primärschuld denjenigen zu zuschreiben, die sie verursachen. Denn die Hersteller stellen zuerst die Weichen, die Kunden geben erst in zweiter Linie durch ihr Kaufverhalten eine Entscheidung ab.

    Ich gebe dir völlig recht, eine Trennung zwischen Primär- und Sekundärschuld und die daraus entstehende differenzierende Kritik ist angemessen. Sie ist aber gleichzeitig auch etwas vereinfachend.

    Du unterstellst, das die Hersteller eine Weichenstell-funktion besitzen.

    Wenn ein Hersteller ein Produkt auf den Markt bringt werden im Untersuchungen angestellt über:

    – Zielgruppe
    – deren Vorstellungen vom Produkt (Technik)
    – deren Preisvorstellungen
    – ein angemessenes Marketing/Image zur Platzierung des Produkts bei der Zielgruppe

    Weder die gegenwärtige Soziologie noch die BWL/Marketinglehre würden den Herstellern eine solch eindeutige Funktion zuschreiben. Das Iphone war sicher dahingehend neuartig, dass man vorhandene Teile in ansprechender und technisch durchdachter Form kombiniert hat. Dazu kommt noch Steve Jobs Talent, Leute gut einschätzen zu können. Weil sie sich mit ihrer Zielgruppe beschäftigt haben, ahnten sie zumind. dass sich das IPhone lohnen würde. Unternehmen können es sich nicht leisten Produkte „einfach so“ auf den Markt zu schmeißen. Um im Bild zu bleiben, der Konsument sitzt schon im Zug und erwartet dass er ankommt wo er ankommt. Die Weichenstellung findet statt, wenn der Schaffner abschätzt ob sich lohnt die Weichen zu stellen.

    Wie gesagt, ich teile deine Differenzierungen, finde aber, dass dein Bild der Weichenstellung die Realität unzureichend beschreibt. Interaktionen sind sehr komplexe Phänomene. Aktion und Reaktion lassen sich schwierig eindeutig zuordnen.

    > Ich möchte auch nicht unter jeden Artikel die Moralkeule setzen, dass wir Kunden daran mit schuldig sind. Das weiss doch jeder, zumindest jeder, den ich hier anspreche. Wenn man dies immer wieder Gebetsmühlen artig wiederholt, schwächt sich die Bedeutung ab und jeder macht bloss noch zu. Die eigene Schuld erkennt man erst durch eigene Überlegungen an. Wenn es andere einem zu oft auf’s Brot schmieren, hört man nicht mehr zu und verdrängt diese Frage. Das will ich vermeiden.

    Entschuldigung, ich kann nicht wiederstehen: dass Redundanz Argumente schwächt, das sie von Leuten abgeschwächt werden, ist menschliches Schutzverhalten. Das erinnert mich an die Aussage: “ Ich will gar nicht dabei sein, wenn Tiere geschlachtet werden weil ich dann wahrscheinlich kein Fleisch mehr essen kann, je mehr Schlachtungen ich sähe, desto weniger Fleisch würde ich essen können“ Wem das Hühnchen noch schmeckt, wenn es seine letzten Schritte ohne Kopf gemacht hat, ist geprüfter Fleischesser. 🙂

    Mir geht es doch auch gar nicht um die Moralkeule. Wir Menschen sind doch fähig Argumente objektiv, relativ und absolut einzuordnen. Dass hat dann etwas zu tun mit „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit.“ Moralkeule wäre doch „du sollst“ Aufklärung aber ist „in Anbetracht der Argumente sollte man….“.

    Das Problem mit der dosierten Moralkeule, du kannst den eingeleiteten Denkprozess schwer messen. Verdruss und Resistenz aus Überdosierung lässt sich leichter nach messen. Ich kann mit noch so guten Argumenten für den ÖPNV argumentieren. Wer Bock auf 200 auf der Autobahn hat, wird diesen Argumenten nicht folgen. Dann wird noch argumentiert, „der will mir ja das Autofahren madig machen“ Wer Bock auf besseren ÖPNV hat, sieht der Redundanz gelassener entgegen. Vielleicht gibt es ja ein neues Argument, dass man als nützlich empfindet.

    Gruß, David Marien

     
  6. Anonymous

    Juni 6, 2012 at 10:25 pm

    Das man den Akku nicht austauschen kann hat gute Gründe. Zum einen setzte Apple sehr viel Wert auf das Design seiner Produkte, zum anderen wird beim iPad (wie auch bei den Books) jeden freien Zwischenraum des Geräts als Akku genutzt. Einen „Akkutausch“ kann man außerdem ganz regulär bei Apple durchführen. Dabei bekommt man für 99 Euro sogar ein neues Gerät samt neuen Akku:

    http://support.apple.com/kb/index?page=servicefaq&geo=Germany&product=ipad
    http://www.apple.com/de/batteries/replacements.html

     
  7. tinyentropy

    August 18, 2013 at 5:55 pm

    Es sollen auch mal kritische Worte über die üblichen medialen Darstellungen zu dem Thema zur Sprache kommen:

    http://www.ratioblog.de/entry/zdfzoom-die-desinformation-geht-weiter

     

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