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Facebook, nein Danke! Doch wie lange halte ich das noch aus?

26 Feb

Ich finde die Idee sozialer Netzwerke sehr gut. Sie erlauben es einem, mit Freunden und entfernten Bekannten in Kontakt zu bleiben und alte Freunde wieder zu finden. All das ist super! Es macht auch Spaß und viele Gruppenaktivitäten lassen sich über diese Hilfsmittel viel effizienter planen und umsetzen. Besonders praktisch ist auch, daß man quasi mit wenigen Klicks eine persönliche Repräsentanz im Internet besitzt. Ich denke, daß macht den Kern des Reizes für viele Menschen aus. Der Vorteil liegt auf der Hand. Man braucht am Abend auf der Party oft nur den Namen der Person, die einen interessiert, aufgeschnappt zu haben, und schon stehen einem die Möglichkeiten der erneuten Kontaktaufnahme offen.

Dennoch, irgendwie sträubt sich etwas in mir, mich in diese Netze hineinzubegeben. Das war am Anfang mit dem StudiVZ so. Da habe ich mich lange geziert und es am Ende dann doch einfach ausprobiert. Und woosh, es war toll! Ja, das hat richtig Spaß gemacht, sich dort ein Netz aufzubauen.

Was also stört mich?

Es ist der Herdentrieb, den ich beobachte. Denn die Herde zog es und die Herde zieht es noch immer nach Facebook. Facebook ist schick, Facebook ist cool! Hab ich mir jedenfalls sagen lassen, denn ich verweigere mich noch. Ich mag diesen Laden nicht, finde Mark Zuckerberg – wie in dem Film „The Social Network“ dargestellt – unsympathisch und ich denke auch, daß die Idee, den Menschen eine Internetpräsenz zu schaffen, so gut sie ist, vielleicht einige Millionen, aber doch nicht etliche Milliarden Euro wert sein sollte! Wie viel andere gute Leistungen und bahnbrechende Erfindungen können so einen Megaerfolg verbuchen!? Ist also Facebook nun das allergeilste, was die Menschheit je zur Verfügung hatte?

Dumm nur, daß ich eingestehen muß, daß für Facebook gute Argumente sprechen! Vor allem war es sehr zeitig international aufgestellt. Damit war es besonders für Akademiker die beste Plattform. Wer ein paar Freunde im Ausland hat, wird das sofort verstehen.

Aber ich weigere mich nach wie vor der zig milliionste, gar milliardste Mensch zu werden, der sich Facebook ausliefert. Wenn überhaupt nur, mit einem anonymisierten Profil. Doch wie lange kann ein einfacher Mensch, noch dazu ein Blogbetreiber, das durchhalten? Schließlich macht Facebook ernst und rückt stetig näher! Überall und auf allen Webseiten „gefällt“-Buttons oder Logins mit dem Facebook-Account. Gutschein- und Rabattaktionen, die noch wahrzunehmen sind, wenn man auf die Facebookseite der Firma klickt und Fan wird. Was kommt als nächstes? Werde ich noch mein Döner an der Ecke bekommen, ohne Fan des Ladens bei Facebook werden zu müssen?

Facebook muß anscheinend enorme Werbegeschenke machen, daß sie so viel Unterstützung von der Industrie erhalten, oder wie ist dies sonst zu erklären? Wie auch immer, für mich wird es eng, ich stehe schon zurückgedrängt an der Wand! Immer mehr Dienste und Aktivitäten verlagern sich nach Facebook. Facebook versucht offenbar das Internet in sich zu integrieren.

Das Netz gefangen im Netz – für mich eine Horrorvision!

Aber es müsste doch Alternativen geben? Im Prinzip könnte sich doch jeder heutzutage bei einem beliebigen Anbieter mit wenigen Klicks eine personalisierte Webseite einrichten und diese nach Herzenslust gestalten. Alle diese Seiten müssten nur ein festgelegtes Protokoll implementieren, welches eine Basis-Profil-Definition erfasst. Das Protokoll erlaubt wie bspw. Jabber die Kommunikation zwischen den Nutzern und die Ansicht bestimmter Grundinformationen wie auch Fotos. Ich habe von solchen Ideen schon gehört und würde das sehr begrüßen! Das tolle daran wäre, daß Nutzer im Prinzip sich nicht mehr an einen einzigen Dienstleister binden müssten. Mein bisheriges Netzwerk ist tot, weil die Leute sich wegen Facebook verabschiedet haben. Die Herde ist weitergezogen, sie hatte ihre Gründe. Aber schade ist das trotzdem, für mich und andere und auch für die Herde, die sich nun Facebook vollkommen ausliefert.

Facebook scheint ja nun auch immer gieriger zu werden und möchte das komplette Leben der Menschen erfassen! Timeline heißt diese Schreckensvision, die schon in die Tat umgesetzt wurde. Noch offensichtlicher kann sich doch der Datenhunger dieses Unternehmens nicht offenbaren? Also, drum prüfe wer sich (ewig) bindet, ob er nicht etwas besseres findet.

P.S.: Genauso liefern wir uns alle komplett Google aus. Aber das wissen wir ja, nicht wahr!?

Update 26.02.2012:

Heute erschien bei der Welt ein passender Artikel (Die große Angst vor Facebook) dazu, der auch ein paar interessante Zahlen über die Nutzerschaft von Facebook enthält. Offensichtlich stehe ich mit meinen Befürchtungen nicht alleine da, bloß mit meiner Verweigerungshaltung.

Update 2 – 11. April 2012:

Interview in „Die Welt“: Was ist eigentlich falsch gelaufen bei StudiVZ?

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14 Antworten zu “Facebook, nein Danke! Doch wie lange halte ich das noch aus?

  1. exvitro

    Februar 26, 2012 at 9:28 am

    Es gibt immer Alternativen. Facebook ist ganz schlimm insofern dass es den menschlichem Drang nach Narzissmus unterstützt und fördert. Ich kenne Leute welche Fotos nur fürs Facebook machen und nur damit sie von so vielen Menschen wie möglich geliked werden.

    Alternativen zu Facebook sind Unthink und Diaspora.

    Eine gute Alternative zu Google ist duckduckgo.com

     
  2. tinyentropy

    Februar 26, 2012 at 10:12 am

    unter folgendem link findet man auch eine ard-doku über facebook:

    http://watchthefacts.wordpress.com/2012/02/19/this-is-facebook/

    schönen dank!

     
  3. tinyentropy

    März 3, 2012 at 10:11 am

    Unter folgendem Link findet man eine interessante Bewertung des Nutzens von Facebook-Firmen-Seiten aus der Perspektive eines PR-Beraters:

    http://edrelations.com/2012/03/02/neue-facebook-timeline-pr/

    Leider konzentriert sich der Artikel nur auf die neusten Features von Facebook, aber das ist auch schon interessant. Neu auf Facebook wird sein, daß kritische Stimmen anders und verkürzt dargestellt werden. Kann man aber auch verstehen, daß die Firmen ihre Werbeplattformen gerne frei von allzu heftiger Kritik halten wollen. 🙂

     
  4. Wahr-Sager

    März 9, 2012 at 9:53 pm

    Ich muss sagen, dass ich Facebook furchtbar finde. Anfangs war es ja noch irgendwie interessant, auf so eine Masse an Menschen zu treffen, die teilweise die gleichen Interessen hatten, aber auf der anderen Seite von einer noch größeren Masse an Menschen denunziert wurden, weil man selbst eine andere politische Meinung vertritt und deswegen von Facebook gekickt wurde.

    Die Belanglosigkeit von FB ist dabei noch gravierender: Es wird geschrieben um des Schreibens willen, selbst ein Kaffeeklatsch im realen Leben ist geistig herausfordernder – und kommunikativer sowieso.
    Facebook ist ein Hype – ein Modetrend, den fast jeder mitmachen zu müssen meint, weil er sonst glaubt, den Anschluss zu verlieren. Und natürlich ist es für den einen oder anderen auch verlockend, auf die Schnelle Hunderte von „Freunden“ zu bekommen, mit denen man vielleicht in einer Sache irgendwas gemeinsam hat.
    Zeitraubend ist Facebook auch noch – es verleitet zu einem übermäßigen Gedankenaustausch, der sich in endloses Getratsche ergießt, das man normalerweise in dieser Intensität gar nicht mitteilen würde.

    Und noch etwas finde ich furchtbar an Facebook: Diesen denglischen Begriff „liken“ bzw. „geliked“. Brrrrrrr.

     
  5. tinyentropy

    März 10, 2012 at 11:53 am

    Weil dieser Artikel extern verlinkt wurde, hier eine Anmerkung dazu:

    https://tinyentropy.com/2012/03/10/kommentar-im-falschen-blog/

     
  6. Ulfhednar

    April 15, 2012 at 8:08 pm

    Ich bitte um Entschuldigung, aber bis heute habe ich nicht begriffen, was dieses Facebook eigentlich sein soll – außer einer CIA-Datensammelmaschine, versteht sich.

    Da heißt es erklärend auf der Titelseite:

    „Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“

    Ohne Facebook vollkommen unmöglich! Und dann kann man auch noch Freunde finden. Freunde! Wie aufgeweicht ist der Begriff eigentlich, daß mittlerweile ein paar Bildchen und zwei holprige Sätze dieses Prädikat rechtfertigen?

    Mir scheint dieses Facebook eine flüchtige, haarsträubend oberflächliche und komplett überflüssige Sache zu sein. Sich nicht zu registrieren ist eine Auszeichnung.

     
    • tinyentropy

      April 15, 2012 at 8:11 pm

      Mir vollkommen aus der Seele gesprochen. lg

       
  7. Karin

    April 28, 2012 at 3:04 pm

    Ich frag mich auch, wie lange ich es noch aushalte … und zwar dabei zu bleiben. Wirklich wohl fühl ich mich dort nicht. Ich hab mir eine FB-Seite als Ergänzung zu meinem Blog eingerichtet, eben weil heute so gut wie jeder bei FB ist und dadurch zumindest auch der Kontakt (hauptsächlich in Form von „gefällt mir“ Klicks – was ich eigentlich schrecklich finde, dass man kaum mehr was sagt/schreibt) zu einigen Leuten aus meinem Forum erhalten bleibt. FB ist irgendwie auch ein wenig der Auslöser, dass in Fan-Foren bei weitem nicht mehr so viel los ist, bzw. kommuniziert wird, wie früher. Mal sehen, wie lange ich dabei bleibe. Wenn es mir irgendwann zu doof wird, werde ich mich ganz dezent wieder von FB verabschieden und ich bin mir ziemlich sicher, dass das kaum jemand wirklich wahrnehmen wird. 😉

    Hier ist auch ein interessanter Artikel zum Thema http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827995,00.html

    Als Suchmaschine nutze ich übrigens diese hier https://startpage.com/deu/

     
  8. Anonymous

    Juli 6, 2012 at 2:17 pm

    Wie gut, es gibt noch normale Menschen 😉

     
  9. Anonymous

    Juli 6, 2012 at 2:49 pm

    Du bist niocht so alleine, die meisten Leute mit denen ich mich unterhalte – meist über skype – haben auch keinen FB Account. Erstaunlicherweise haben wir uns in den letzten 5 Jahren trotzdem nicht aus den Augen verloren.

    Die korrekte Frage lautet also eher: Wie lange hält Facebook es noch ohne uns aus 🙂

     
  10. Anonymous

    Juli 7, 2012 at 11:35 am

    Sauber, dranbleiben!
    Eine unseriöse Firma wie das Fratzenbuch nutze ich ebenfalls nicht.
    Der Börsengang hat ja eindeutig gezeigt, was das Ganze soll.
    Und wer ein Netz im Netz will hats leider nicht kapiert

    Also weitermachen….

     
  11. piratenlogger.de

    Januar 15, 2014 at 11:39 am

    Hier gibt es 11 guten gründe seinen FACEBOOK Account zu löschen, besser allerdings: man hatte nie einen.

    http://piratenlogger.wordpress.com/2014/01/14/11-gute-grnde-ihren-facebook-account-zu-lschen/

    LG Mike

     

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