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Tücken in der Wissenschaft

25 Feb

Der SPIEGEL titelte diese Woche, daß sich Wissenschaftler des CERN blamiert hätten, bloß wegen eines losen Kabels. Zuerst einmal ist der Inhalt des Artikels interessant, denn er stellt eine vorherige Sensationsmeldung infrage, der zufolge die Teilchenphysiker Neutrinos gemessen hatten, die sich scheinbar schneller als Licht bewegen konnten. Natürlich war es riskant eine solche Meldung an die Presse überhaupt herauszugeben, bevor man sich nicht vollkommen sicher war. Doch wurde das Experiment damals bereits schon wiederholt, um sichergehen zu können.

Was ich absolut unwürdig finde, ist die Wahl der Überschrift. Wie überhaupt viele Titel bei SPIEGEL Online mehr und mehr an das Niveau der Bildzeitung erinnern.

Der Titel ist unwürdig, weil er die Komplexität der Experimente vollständig verschleiert. Die Meßinstrumente am CERN haben riesige Ausmaße, einige Detektoren sind zehn Meter und höher und nicht weniger lang bzw. breit (das Bild zeigt den sogenannten Atlas-Detektor). Sie sind vollgestopft mit Technik und Kabeln. Angeschlossen werden diese Detektoren an kilometerweite Röhrensysteme, die mit Supraleitenden Magneten umgeben sind, um Teilchenstrahlen hochpräzise steuern zu können. All dies ist in meinen Augen eine unglaubliche Ingenieursleistung und den Spott des SPIEGELs mitnichten wert.

Zudem finde ich, daß damit ein falsches Bild wissenschaftlicher Forschung transportiert wird. Es muß Forschern gestattet sein, mutig gängige Thesen infragezustellen, andernfalls wird es keinen Fortschritt geben. Auch aus dieser Hinsicht ist die Häme des Titels vollkommen unangebracht.

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