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Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland

31 Jan

Heute habe ich im Radio ein Funkhausgespräch zum Thema „Moral und Kapitalismus“ gehört, ein Thema, welches ich in diesem Blog schon einmal behandelt hatte. Das Gespräch im Radio war recht interessant, weil auch einige interessante Zahlen dabei genannt wurden, welche die ungerechte Verteilung der Vermögenswerte veranschaulichen.

Sicher kennt man schon den Occupy-Wallstreet-Slogan, dass „wir die 99% sind“. Er weist darauf hin, dass sich ca. 40% des weltweiten Vermögens in der Hand von nur rund 1% der Bevölkerung befinden. In der Sendung wurde zudem angemerkt, dass gut die Hälfte des Witschaftswachstums in den USA im Verlaufe der vergangenen 20 Jahre nur 3% der oberen Bevölkerungsschicht zugute kamen.

Nun sind dies alles bloß Zahlen, die ich nicht alle überprüfen kann bzw. möchte. Aber ein anderes Thema hat mich sehr interessiert. Mir fiel in den letzten Jahren schon etliche male auf, dass Studien über Deutschland eine ungebremst fortschreitende Entwicklung feststellen, bei der die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander geht. Und besonders traurig daran ist, dass trotz dieser Befunde und deren Stetigkeit nichts dagegen unternommen wird. Nicht von der Politik, nicht von dem Mob. Von niemandem.

Oft hatte ich Diskussionen zu dem Thema, in denen ich den Standpunkt vertreten hatte, dass es längst schon Zeit sei bei aktuellen und künftigen politischen Entscheidungen zumindest eine gegenläufige Entwicklung aktiv anzusteuern. Dies wäre eine sanfte Handlungsweise, um langfristig eine Umverteilung anzuvisieren. Im Gegensatz zu harten Handlungen, wie der zwangsweisen Umverteilung. In dem Funkhausgespräch kam die sanfte Umverteilung auch zum Gespräch und dabei fiel eine sehr interessante Bemerkung, die man in dieser OECD-Studie bestätigt findet. Erstens, in Deutschland existiert im Vergleich zu anderen Ländern sehr viel Vermögen in privater Hand und – entgegen häufig anders lautender Darstellungen! – sind die Abgabenpflichten auf dieses Vermögen im internationalen Vergleich mit am geringsten. Vor allem in den USA, dem Vorzeigeland des Kapitalismus, liegen diese Steuern um das Vierfache höher! An der Spitze stehen Großbritannien und Frankreich, wobei insbesondere Großbritannien hierzulande bei der Diskussion um die Finanzmarkttransaktionssteuer als das Mutterland des Finanzliberalismus dargestellt wird.

Es ist also keineswegs so, als gäbe es wenig Spielraum für höhere Vermögensabgaben in Deutschland. Wie lässt es sich aber dann vertreten, dass wir der sich fleissig öffnenden Schere immer noch mit einem Achselzucken begegnen? Warum ist und bleibt dies so wenig Menschen in dieser Republik bewußt (zu machen)?

Aber man spricht gegen Wände. Es ändert sich nichts. Schlimmer noch ist, wenn man seine Energie in der Diskussion mit den Falschen verschwendet. Solche, die selbst nichts haben, aber meinen, dass sie den Anwalt für die Gewinner in unserer neoliberalen Gesellschaft spielen müssten.

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16 Kommentare

Verfasst von - Januar 31, 2012 in Gesellschaft, Tiny's Gedanken

 

16 Antworten zu “Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland

  1. Brigitte

    Februar 25, 2012 at 10:46 pm

    Warum das so ist? Ich wüsste nicht, dass in den entscheidenden politischen Gremien Hartz IV- Empfänger sitzen. Ich kenne jetzt keinen Politiker persönlich, aber außer zu Wahlveranstaltungen sehe ich sie seltenst im Kreise „armer“ Menschen. Mein Vertrauen in die Politik ist nicht wirklich groß. Sobald jemand politisch verantwortlich ist wird er von den Lobbyisten umworben und wunderbar gepampert. Und wer sägt schon den Ast ab auf dem er sitzt? Politik in Deutschland wird von Menschen betrieben denen es gut geht, die abgesichert sind und die nicht wissen wie es ist kein Geld zu haben und es interessiert sie auch nicht wirklich. Ist doch jeder seines Glückes Schmied und selber schuld, wenn er keinen Job und kein Geld hat. Sind doch alle nur faul! Ich fände es einfach wunderbar, wenn jeder Polikter mindestens 6 Monate mit dem Budget eine Hartz IVlers leben müsste. Das müsste Grundbedingung sein bevor sie ihre Diäten erhalten. Vielleicht sehen sie dann mal was es heisst kaum Geld zu haben.

     
    • tinyentropy

      Februar 25, 2012 at 11:15 pm

      Ja, es ist natürlich richtig, was Du sagst. Aber ich wollte mit meiner rhetorischen Frage am Ende nicht bloß auf die Politiker abzielen, sondern die Frage an uns alle, als Gemeinschaft und Gesellschaft dieses Landes, richten.

       
    • Berg

      März 11, 2012 at 9:09 am

      Sie heben auf den HartzIV-Empfänger ab, der eventuell mitregieren sollte. Tja, dann wäre er aber kein HartzIV-Empfänger mehr. Sollen die HartzIV-Empfänger also besser regieren können, als Anwälte, Spezialisten, usw. in Parteifunktionen?

       
      • tinyentropy

        März 11, 2012 at 9:44 am

        Ich hebe nicht auf Hartz IV Empfänger ab. Und ich bin nicht der Meinung, dass eine Regierung aus Hartz IV Empfängern gut wäre. So eine pauschale Aussage wäre ohnehin Quatsch.
        Ich meine, dass wir endlich offenen Auges das Problem der Schere begreifen und gemeinsam Lösungen dafür erarbeiten sollten (die ich hier nicht präsentiere!).
        Es ärgert mich, wenn Menschen, die selbst wenig Geld haben und keine Unternehmer sind, in Gesprächen ständig die „armen Reichen“ in Schutz nehmen wollen, weil sie denken, dass höhere Steuern auf sehr hohe Vermögen kaum zumutbar wären. Was für eine Definition von „zumutbar“ steckt in diesem Fall dahinter!? Ich denke, wenn es jemand, nachdem er etwas abgeben musste, immer noch besser als dem Durchschnitt geht, ist dieses Abgeben dann nicht zumutbar, um mehr Gerechtigkeit der Verteilung zu schaffen?
        Anders gesagt, wollen wir denn überhaupt Gerechtigkeit?

         
  2. Martin Bartonitz

    März 4, 2012 at 12:24 am

    Ich sehe da drei Effekte:
    1. Der soziale Abbau ging ganz langsam, Schritt für Schritt, so dass der Frosch im warmen Wasser gar nicht merkt, wie heiß es inzwischen ist
    2. Vielen Menschen ist das Thema Krisen zu komplex als dass sie es selbst recherchieren und wollen lieber den scheinbar Wissenden weiter folgen, Die haben das ja studiert und bekommen ganz viel Geld dafür.
    3. Und jene, die jetzt schon protestieren müssten, sind viel zu asgelaugt, und haben auch gar kein Geld mehr, um zu den Protesten hinzukommen.

    Es gibt aber noch einen weitere Möglichkeit. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, ähnlich wie das zu Wendezeiten der Fall war. Zuerst wurde viel gewitzelt über die Unfähigkeiten der “ Verfürher“ und dann wurde es auf den Straßen erst lauter …

    LG Martin

     
    • tinyentropy

      März 4, 2012 at 3:13 pm

      Interessant! Ja, zu Punkt 1) kann man wohl sagen, dass es das berühmte „Es geht uns noch zu gut!“ umschreibt. Und aus diesem Grunde glaube ich auch nicht an die Ruhe vor dem Sturm. Aber mal sehen…
      Gruss!

       
  3. tinyentropy

    März 10, 2012 at 3:18 pm

    Sehr gelungen finde ich auch den Artikel von Jacob Jung zu diesem Thema:

    http://jacobjung.wordpress.com/2011/12/06/oecd-studie-erhebliche-kluft-zwischen-arm-und-reich/

     
  4. maldrueberreden

    März 10, 2012 at 3:32 pm

    Hallo erstmal. Ursachen u.a. sehe ich in der Zerstrittenheit vermeintlicher und tatsächlicher fortschrittlicher Kräfte. Jeder glaubt die berühmte Avantgarde zu sein und bekriegt v. und t. „Gegner“. Das schürt Unmut und führt zwangsläufig zu „Desinteresse“. Auch die gezielte Meinungsmache in Talkshows vor Allem privater Sender – das Prinzip „Brot und Spiele“ lähmen das Volk, die Völker. Ich glaube eher, wenn es uns noch schlechter ginge, würde sich Weimar wiederholen…

     
    • tinyentropy

      März 10, 2012 at 10:11 pm

      Verstehe nicht ganz, was Du damit meinst.

       
  5. maldrueberreden

    März 11, 2012 at 6:53 am

    Das finde ich sehr traurig. Du sprachst von der Gemeinschaft – sich zusammen aktiv für Umverteilung einzusetzen. Ich von denen, welche behaupten sich dafür einzusetzen. Was meinst Du mit „sanfter Umverteilung“? Glaubst Du ernsthaft dies (bloß) mit Steuerreformen zu erreichen? Erinnerst Du Dich an den Satz von Gysi, welcher an die damalige Adresse von Herrn Schröder ging: „Wir erwarten von Ihnen keinen Sozialismus. Wir würden uns freuen, wenn der Spitzensteuersatz so hoch wie zu Kohls Zeiten währe.“ Es ist traurig, daß Hoffnungen von den Wählern von damals sich ins Gegenteil wendeten. Denkst Du wirklich, daß die Spitzenverdiener sich freiwillig besteuern lassen? Die machen eher ihre Buden dicht und wandern in Länder, wo soziale Gerechtigkeit noch kleiner geschrieben wird…

     
    • tinyentropy

      März 11, 2012 at 9:21 am

      Die Steuern wären offenbar ein Instrument, um ein wenig zu bewirken. Aber nicht die völlige Auflösung der Kluft.

      Ich möchte auf 2 Punkte hinaus:

      1.) Es gibt nicht nur eine „gefühlte“ ungerechte Verteilung, sondern eine reale. Und Gründe dafür liegen in der bisherigen Politik, z.B. der Form der Besteuerung.

      2.) Die Politik muss das Problem endlich ernst nehmen und ihre zukünftigen Handlungen daran ausrichten, dass die Schere wieder zusammen geht.

       
  6. Frankfurt

    Mai 1, 2012 at 11:19 am

    Wir wehren uns nicht, weil wir permanent damit beschäftigt sind, selbst nicht weiter abzusteigen.

    Wenn wir noch einen festen, unbefristeten Arbeitsplatz haben, sitzt doch schon neben uns ein Kollege, der nur befristet eingestellt wurde und garantiert nach 20 Jahre laufen würde) und uns auf dem Amt bezüglich unseres Eigentums komplett nackt machen müssen.

    Wir sind nur eine Scheidung oder eine Kündigung von der finanziellen Katastrophe entfernt…

     
  7. tinyentropy

    Dezember 18, 2012 at 4:51 pm

     

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