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Fortuna-Aufstieg

16 Mai

So, wie es derzeit aussieht, hat Fortuna den Aufstieg zurück in die 1. Bundesliga geschafft und mich macht das froh! Die Fortuna hat sich nach einem tiefen Fall in den späten 90er-Jahren zurück aus der vierten Liga bis zu diesem Aufstieg gekämpft. Aufgrund dieser sportlichen Leistung ist es beachtenswert. Dies gilt auch für die vielen Fans, die Fortuna in dieser Zeit treugeblieben sind und in grosser Zahl ihre Mannschaft zu Spielen auf Boltzplätzen in der Provinz begleitet hatten. Und doch gibt es ein dickes Aber!

Denn das Spiel war wahrhaft unwürdig, weil die Fans es mehrfach zur Unterbrechung brachten. Ich muss sagen, dass mir die Hertha-Spieler auch leidtaten, denn in einem solchen Hexenkessel kann man nicht vernünftig spielen. Sollte das Spiel also wiederholt werden?

Für mich spielt bei dieser Bewertung eine Rolle, dass offenbar die vielen bengalischen Feuer, die auf den Rasen flogen, nach aktuellen Erkenntnissen von den Hertha-Fans geschmissen wurden. Insofern mussten beide Mannschaften hinnehmen, dass das Spiel von den Fans der anderen Mannschaft massiv gestört wurde. Das kann man so auslegen, dass das Spiel ohne Zuschauer wiederholt werden müsste. Andererseits wäre das sehr, sehr schade für die Fortuna und wirklich tragisch.

Ich bin gegen eine Wiederholung, denn das Spiel war bis 1 Minute vor Schluss ungestört durch die Fortuna-Fans, und ohne die Ausschreitungen der Berliner Fans, wäre eine Nachspielzeit von 7 Minuten nicht notwendig gewesen. Und ausserdem war das Spiel nicht mehr so offen, dass man ernsthaft glauben müsste, dass Berlin in der einen Minute noch ein Tor geschossen hätte. Das hätte Düsseldorf eben auch schaffen können.

Es wäre das beste gewesen, wenn das Spiel bereits zu dem Zeitpunkt unterbrochen worden wäre, als die Fans die Blöcke verlassen und sich direkt an den Spielfeldrand gestellt hatten. Die Unterbrechung hätte so lange anhalten müssen, bis alle Fans wieder zurück auf den Rängen gewesen wären. Das wäre vernünftig gewesen. Denn so nah am Spielfeldrand war ein solcher Masseneffekt abzusehen. Wenn 2-3 Leute losrennen, dann glauben viele andere sie hätten den Pfiff bloss überhört. Das Drama war abzusehen. Insofern war es auch ein Versäumnis der Spielleitung.

Aber eines ist klar, der Fussball hat offenkundig ein Problem. Die vielen angeblichen Fans, die das Stadion als eigene Bühne nutzen. Ich war stocksauer und bin es immer noch!

 

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9 Kommentare

Verfasst von - Mai 16, 2012 in Gesellschaft, Verschiedenes

 

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9 Antworten zu “Fortuna-Aufstieg

  1. sweetkoffie

    Mai 16, 2012 at 8:38 vormittags

    Ich denke auch, dass man den Begriff “Fan” mal näher untersuchen sollte. Was da gestern abgelaufen ist hat nichts mehr mmit Sport zu tun. Mir scheint, das ist ein gesellschaftliches Problem.
    Mir haben die Spieler leid getan, die Ddf’er und auch die Berliner. Im Grunde kann man noch von glück sagen, dass niemand ernsthaft zu Schaden gekommen ist.
    Nein, so will ich kein Spiel sehen/erleben !!!

     
  2. marien86

    Mai 16, 2012 at 9:38 nachmittags

    Hallo tinyentropy,

    ich habe in meinen näheren Umfeld Leute, die sich in ihrer “Sturm-und-Drangphase” als Hooligans betätigt haben. Das sagen sie auch so.

    Klar, bei Gewalt gegen Personen und gegen Menschen gibt es nichts zu relativieren oder zu beschönigen. Mein psychologischer Laienverstand sagt mir, dass dort eine ganze Menge Mechanismen wirken, die aus unauffälligen Bürgern einen wütenden Mob werden lassen. Vielleicht ist es auch eine Flucht aus dem bürgerlichen Gefängnis, die manche hier antreten.

    Fußball wird unheimlich emotionalisiert. Da geht es um seinen Verein, die Meisterschaft, um Sieg oder Niederlage. Fußball befreit von gewohnten Denkmustern: Männer dürfen sich weinend in den Armen liegen, grölend ihre ihre Emotionen auslassen. Vielleicht ist es eben diese Emotionalisierung, die den Anstand bei einigen vergessen lässt.

    Ja, es gibt einige, die nur wegen der Gewalt Schlägereien anfangen. Damit kann aber nicht alles erklärt werden, einige wollen einfach nur Dampf ablassen. Da ist zu kritisieren, dass man auf andere Art Dampf ablassen könnte. Bieten wir (gerade jungen) Leuten genug Möglichkeiten Dampf abzulassen? Kann man den Bedarf nach Emotionalisierung anderweitig kanalisieren als durch Randale? Haben wir außerhalb des Sports (als Gesellschaft) Mechanismen, die Leute befähigen, ihre gewohnten Rollenmuster zu verlassen? Fußball ist sehr stark mit “Männlichkeit” verbunden. Härte, Durchsetzungskraft, Stärke, Durchhaltevermögen, all diese Eigenschaften können Leute motivieren, können Gruppen motivieren, “Gewalt” auszuüben. Es entsteht eine Spirale, die vom Sport, von den Funktionären nicht impliziert wurde. Das sie aber wirkt, kann man feststellen.

    Ich halte die Trennung von Fußball und Hooliganismus (gibt es dieses Wort?) für unangemessen. Die Eigenschaften dieses Sports induzieren ungewollt bei einigen eine Männlichkeits- und eine Gewaltspirale. Es wird Jahre dauern ehe Funktionäre und Medien diese Spirale durchbrechen. Fußball ist Gesellschaft und Gesellschaft ist Fußball. Das fällt mir als Fußball-Desintressierter immer wieder auf. Wenn wir Fußball und Gesellschaft als Einheit verstehen, wenn wir die Gewaltspirale als unser aller Problem verstehen, kommen wir weiter. Eine Trennung kann nur einseitige Lösungen produzieren.

    Gruß, David Marien

     
    • tinyentropy

      Mai 17, 2012 at 1:52 nachmittags

      Hi David!

      Im Zusammenhang des Fortunaspiels möchte ich definitiv nicht von Hooligans sprechen. Das halte ich für wichtig, weil ich befürchte, dass nun vielleicht an dem Verein ein Exempel statuiert werden könnte.

      Ansonsten gebe ich Dir recht, ich finde Du hast den Nagel damit auf den Punkt getroffen. Es stimmt, dass in den Medien ein verzerrtes Rollenmodell im Fussball vorgegeben wird. Da muss ich zum Beispiel auch daran denken, dass es offiziell keine schwulen Fussballspieler gibt, obwohl das wohl kaum sein kann. Ein anderes Thema sind Depressionen und Selbstzweifel der Spieler. Es gab ja vor nicht allzu Zeit Spieler, die sich zu Depressionen bekannt haben, oder sogar Selbstmord begingen. All dies sind weitere Punkte, die zeigen, dass der Fussball ein Alphatier-Image plakatiert.

       
      • marien86

        Mai 17, 2012 at 4:29 nachmittags

        Hallo tinyentropy,

        > Im Zusammenhang des Fortunaspiels möchte ich definitiv nicht von Hooligans sprechen. Das halte ich für wichtig, weil ich befürchte, dass nun vielleicht an dem Verein ein Exempel statuiert werden könnte.

        Das verstehe ich nicht: du willst einen Begriff nicht verwenden, weil er als Argument für ein Exempel genutzt wird? Ich würde es verstehen, wenn du sagen würdest, es handle sich nicht um Hooligans, weil bestimmte Eigenschaften nicht vorlagen.

        Anstatt inhaltlich zu argumentieren, argumentierst du mit der (angenommenen) Interpretation eines Begriffs, die bestimmte Folgen nach sich ziehen könnte. Wenn man gegen ein Exempel argumentieren möchte, sollte man Fakten nutzen und keine angenommenen Interpretationen.

        Im Übrigen habe ich allgemein von Hooligans geschrieben. Man kann in den Text natürlich den Zusammenhang zwischen dem Spiel und Hooligans ableiten, konkret darauf hingewiesen, habe ich nicht. Ich kenne mich auch zu wenig aus um belastbare Zusammenhänge herstellen zu können.

        Trotz alledem halte ich es für falsch, Begriffe nicht zu verwenden, weil sie falsch interpretiert werden könnten. Begriffe sollten nicht verwendet werden, sie nicht beschreiben können was ist. Interpretationen kann man nur begegnen, in dem man prüft, ob die Interpretation der Wirklichkeit standhält.

        Gruß David Marien.

         
      • tinyentropy

        Mai 17, 2012 at 7:00 nachmittags

        Du hast mich falsch verstanden, bzw. ich habe es nicht genau erklärt. Ich meine, dass die Bezeichnung “Hooligans” für die Geschehnisse rund um das Fortuna-Spiel unpassend ist, weil die Fans sich nicht gewalttätig verhalten haben. Wenn nun die Berliner von ihrer Todesangst sprechen, dann ist das übertrieben, gleichwohl ich verstehe, dass die Vielzahl an Fans, die auf den Rasen rannten, bedrohlich gewirkt haben kann.

         
  3. tinyentropy

    Mai 18, 2012 at 1:49 nachmittags

    Interview mit Campino in der Süddeutschen Zeitung:

    “Das Problem war dann, dass den Fans im Stadion nicht klar war, wann genau die Zeit abgelaufen war. Die Ansagen des Stadionsprechers waren sehr schlecht zu verstehen, es gab keine korrekte Anzeige dazu. Ein falsch ausgelegter Pfiff wurde dann von 20 Leuten missverstanden, und plötzlich waren 200 oder 300 Menschen auf dem Platz. (…) Mit Gewalt hatte das nichts zu tun, es gab keine einzige Ohrfeige, kein blaues Auge, keine Verletzungen. Vielleicht haben Leute Beleidigungen gerufen, aber Hooliganismus ist wirklich etwas anderes. Alle sprechen jetzt von einem Skandalspiel, vom “Düsseldorfer Chaos”, aber die ersten Leuchtkörper kamen doch direkt aus dem Berliner Block!”

    http://www.sueddeutsche.de/sport/interview-mit-tote-hosen-saenger-campino-mit-gewalt-hatte-das-nichts-zu-tun-1.1359988

     
  4. Robin Konietzny

    Mai 26, 2012 at 12:38 vormittags

    Das Spiel zu thematisieren dauert jetzt zu lange… Hauptsache endlich Fortuna in der 1. Liga… da war sie nicht sitedem ich mich zurückerinnern kann ;)

     
    • tinyentropy

      Mai 26, 2012 at 12:46 nachmittags

      Ja, das ist ne tolle Sache. Hoffen wir, dass es jetzt endlich durch ist und Berlin nicht noch weiter prozessiert. ;-)

       

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